Wwoofen an der Ostkueste Neuseelands

Moritz am 4. Juni 2014
Hastings

Jobsuche in Napier

Nach unserem Aufenthalt in Taupo machten wir uns an die Ostküste, nach Napier. Kurz nach Taupo kam das Schild „Fuel 130km“ und daraufhin der ängstliche Blick auf die Tanknadel: unter 1/4 im Tank. Einige Kilometer vor Napier beginnt die Nadel auf und ab zu springen und 3 Jungs mit dem Gedanken „och ne bitte net“. Da kam die Oase, eine Tankstelle! Doch dort konnte man weder mit Bargeld noch mit Kreditkarte bezahlen. Also wieder ins Auto gestiegen und weiter gezittert, bis dann endlich eine richtige Tankstelle kam. Die Stadt Napier an sich ist wirklich sehr schön und besitzt einen ewig langen Steinstrand. Der Nachteil, Napier war Opfer eines Erdbebens vor einigen Jahren und seit diesem Tag sind unterirdische Strömungen an der Küste. Das Baden ist deshalb verboten, was den Wert des Strandes natürlich um einiges mindert. Es gibt jedoch eine kleine geschützte Bucht in Napier und dort ist das Baden noch erlaubt. Neuer Nachteil, diese Bucht liegt direkt an der Hauptstraße und neben dem Containerhafen. So entspannt man zu den Klängen der Kräne und Trucks und hat einen 1A Blick auf die Verfrachtung der „Hamburg Süd“ Container.
Wir waren in Napier um zu arbeiten und machten uns deshalb gleich auf die Suche nach einem Job auf den zahlreichen Obstplantagen. Wir fuhren zu jeder Plantage in der Umgebung und erhielten immer nur die gleiche Aussage: „Da seid ihr zu spät, die Arbeit ist schon fast beendet.“ Auch die Working Hostels meinten, dass die Jobs immer weniger werden und es kaum noch etwas gibt. Das Problem, wir hatten unsere Silvesterfeier schon in dieser Gegend gebucht und waren deshalb an die Gegend gebunden.
Und nun? Nur rumhängen? Nein!
Wir entschieden uns dazu eine Wwoofing-Stelle zu suchen und dort die Zeit zu verbringen. Wwoof bedeutet “willing workers on organic farms“. Im Prinzip arbeitet man meistens bei einer Familie und bekommt dafür Unterkunft und Essen. Die Aufgaben sind völlig unterschiedlich wie z.B. Unkraut beseitigen, Holz hacken, Haus putzen, sich um die Tiere kümmern und und und.
Es gibt von Wwoof ein Buch mit den ganzen Kontakten und dort haben wir dann angefangen Stellen anzurufen, die uns gefallen haben. Nach den ersten 10 Absagen haben wir dann die Ansprüche etwas runtergeschraubt und sieh an! Eine Stelle war frei im Nachbarort. So düsten wir mit unserem Ford gleich los und freuten uns etwas gefunden zu haben. Die Freude legte sich jedoch wieder als wir dort ankamen. Gleich war klar, das ist nicht Wwoofing wie wir es uns vorgestellt haben, sondern arbeiten in einem Betrieb. Alles war komplett runtergekommen und man fühlte sich von Beginn an unwohl. Die Krönung kam dann aber mit dem Schlafplatz und der Küche. Die Küche war verdreckt und sah aus, als wäre sie seit ihrer Geburt nicht einmal geputzt worden. Die Unterkunft war ein heruntergekommener Wohnwagen, welcher schon als Antik galt und als wir eines der Laken hoch gehoben haben kamen auch gleich die Tierchen hervor gehuscht. Allgemein sah der Platz für die Gäste aus wie ein Schrottplatz und der Besitzer schien das alles nicht so zu realisieren. Als wir ihm sagten, dass wir nicht bleiben wollen, weil wir uns das so nicht vorgestellt haben, war er regelrecht schockiert und meinte, dass genau dies Wwoofing sei.

Das Haus der Ungeziefer

Das Haus der Ungeziefer

Wir machten uns also gleich auf die Suche nach einem Hostel und am nächsten Tag dann auf die Suche nach einer neuen Wwoofing Stelle.
Zuvor sagte ich: „wir schraubten unsere Ansprüche runter“, doch nach der 30sten Absage gab es so etwas wie Ansprüche nicht mehr und es wurde alles angerufen, was eine Nummer besaß. Doch Niemand hatte Zeit für uns und dann gingen uns die Nummern aus.
Zum Glück hatte mir ein Freund erzählt, dass es so etwas ähnliches wie Wwoof nochmal gibt unter dem Namen Help x. Also habe ich mir schnell einen Account zugelegt und das Anrufen ging weiter.
1 Anruf und niemand geht dran, „geht ja super los“. Doch da sieh an, bei der zweiten Nummer haben wir gleich eine Zusage. Also machten wir uns erneut auf den Weg zu unserer neuen Arbeitsstelle.

Arbeiten bei Cherie und Brandon

Hier waren wir dann in einer anderen Welt als zuvor. Das Anwesen war 20 Minuten außerhalb der Stadt und die Einfahrt führte durch eine kleine Weinplantage. Links und rechts neben dem Gelände liefen die Kühe auf und ab, die Olivenbäume standen auf der Wiese und die Hühner rannten über den Hof. Wir lebten in einem eigenen kleinem Häusschen mit Wohnzimmer, Bad, Küche und großem Bett, direkt neben ihrem Haus.

Unser kleines Ferienhaus

Unser kleines Ferienhaus

Der Ausblick von unserem Haus

Der Ausblick von unserem Haus

Am nächsten Tag ging dann die Arbeit los, Unkraut vernichten bzw. In der prallen Sonne ein ganzes Beet umgraben. Nach 3 Stündchen Arbeit kam Cherie dann mit dem Traktor gefahren und meinte, dass es zu warm sei und wir doch lieber in den Pool gehen sollten. „So lässts sich leben“ dachten wir uns, doch es wurde immer besser. Sie luden uns ein mit Ihnen Steinofenpizza im selbst gebauten Steinofen zu machen und dazu gab es einige Gläser ihres grandiosen Weines. Dazu war das Panorama von ihrem Balkon aus einfach unfassbar überwältigend.

Die weitere Arbeit an den Tagen war total in Ordnung und wir arbeiteten meistens nur wenige Stunden. Wir sprühten auf dem Weinfeld, mähten Rasen, reinigten den Teich, zerhackten Holz und kämpften gegen das Unkraut. Während unserer Arbeit haben wir einige Verluste vorzuweisen. 2 Spaten, 1 Axt, 2 Motorsägen gaben den Geist auf und einer meiner Flip Flops. An dem Tag, als der Flip Flop starb, haben wir den Teich gereinigt, also sind im Teich durch den Matsch gelaufen und haben die Pflanzen geschnitten. Als ich dann die abgeschnittenen Pflanzen weg bringen wollte, dachte ich mir „ziehste mal lieber Flip Flops an so viele Äste wie da rumliegen“.
Julian: „Achtung der Hang ist rutschig“
Moritz: „ja hab ja extra Flip Flops an“
Julian: „Ob das so klug ist, die sind ganz schön rutschig“
Moritz: „Gott ist das rutschig… Gleich tuts weh“
Mit diesem Satz riss der Flip Flop, die Pflanzen flogen nach oben und BUTZ dotzt der Moritz wie ein Flummi mit dem Rücken auf der Wurzel auf. Es hat höllisch wehgetan, aber da ich es geahnt hatte, musste ich direkt über diese dumme Aktion lachen. Typisch 😉 .

Julian und ich bei der Arbeit

Julian und ich bei der Arbeit

An einem Tag nahm uns Cherie mit zum Schafe scheren und das hat mich echt beeindruckt und gleichzeitig schockiert. Beeindruckend war die Geschwindigkeit mit welcher die Scherer arbeiteten, da war so ein Schaf in wenigen Sekunden haarlos wie ein Nacktmull. Schockierend war jedoch die Brutalität mit welcher dort gearbeitet wurde. Den rasierten Tieren haben große Hautfetzen gefehlt und eigentlich haben alle irgendwo geblutet.

noch sind sie weich und flauschig

noch sind sie weich und flauschig

Und weg mit der Wolle

Und weg mit der Wolle

Für die Arbeit durften wir auch mit dem Traktor und dem Rasenmäher fahren. Was echt ganz lustig war, bis auf diese eine Aktion. Wir luden den Anhänger voll mit Tannenästen um sie den Berg runter zu transportieren. Dabei hatten wir unterschätzt, dass so ein Anhänger beladen mit Ästen und zwei Personen ja doch schon einiges wiegt. Wir fuhren langsam los, es wurde steiler, wir wurden schneller und schneller. „Langsamer, LANGSAMER!!! BREMS!!!“ „ICH VERSUCHS DOCH!!“ wir fuhren immer schneller und BUMM da hängt der Traktor im Hang. Der Fahrer flog vom Traktor und der Anhänger verkantete sich mit dem Traktor. Der Traktor war im falschen Gang gewesen und die Bremsen versagten als der Traktor schneller wurde. Nach der Beseitigung unseres kleinen Unfalls haben wir dann mit den Ästen ein kleines Feuerchen gemacht.

In unserer Freizeit sind wir nach Napier oder Hastings in die Stadt gefahren oder haben dem Strand einen Besuch abgestattet. Abends haben wir uns dann ein Festmahl gekocht und uns den guten Wein schmecken lassen. Danach wurde sich nochmal die Badehose angezogen und dann hat man sich unter dem traumhaften Sternenhimmel im Whirlpool entspannt.
Wir hatten auf jeden Fall eine hammer Zeit bei dieser Familie und man hat uns bestens behandelt.
Ich kann wwoof bzw. HELP X nur empfehlen und finde das Prinzip einfach genial.


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