Von hier und da… Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr!

Markus Obstmeier am 24. Dezember 2013

Nach einigen Tagen Fischen und Ausharren der Dinge auf dem Hausboot in Dampier, kam der erste Arbeitstag. Man hatte sich einigermaßen von den Reisestrapazen des Hitch-hikings von Perth nach Karratha erholt und war bereit für neue Herausforderungen. Die Anstellung war auf Stundenbasis nach Bedarf in einem Hotel. Arbeit gab es meist im zugehörigen Bottle-Shop, etwas Housekeeping und gelegentlich als helfende Hand an der Bar. Der Bottle-Shop ist ein Drive-Through für Spirituosen, Bier und Wein, an dem Minenarbeiter aus ganz Australien, Irland und Neuseeland die buntesten  Akzente ihrer Heimat über den Schalter schmettern. Genau das, was du als Deutscher Gastarbeiter, der gerade überhaupt in Australien angekommen ist gebrauchen kannst. Aber ich lernte. Einsätze an der Bar waren selten, da ganz Karratha aus Minenarbeitern besteht  sind und in aller Konsequenz Bardamen gefragt. Die Arbeit ist in Ordnung und das Team ist großartig. In einer der teuersten Städte Australiens (nicht recherchiert, aber es muss so sein), war es eine wirkliche Wohltat so kurzfristig eine Jobzusage zu erhalten. Unglücklicherweise verpasste ich um Tagesbreite den ersten Zahltag, was mir zwei weitere mittellose Wochen bescherte.

Nachdem ich die spärlichen Angebote im Supermarkt ausgiebig studiert hatte, war ein Gang durch den Laden ein Wandeln auf vorgezeichneten Pfaden. Zielsicher zum Brot im Angebot, querfeldein zu den Äpfeln und Bananen. Eine Dose Baked Beans der Eigenmarke aus dem Konservenregal, ein Griff an das Eckregal zu den Eigenmarken-Eiern und mit Scheuklappen vorbei an den Süßigkeiten  hinüber zur Angebotsmilch und mit einem großen Schritt schließlich vorbei an der Käsetheke. Mit etwas Glück, war der Weg zum Bacon nicht umsonst gewesen. Nicht das es in Australischen Supermärkten an Angeboten mangelt, nur meistens ist es ein „2 for only“, was mir absolut keinen Vorteil verschaffte. Während in Deutschland grundlegende Nahrungsmittel für jedermann erschwinglich sind, kommt einem Australien hier nicht so herzlich entgegen. Zumindest in Western Australia soll es besonders aus den Fugen geraten sein. Die durchschnittliche Rente für ein kleines Häuschen in Karratha liegt um die 1.000,- Dollar pro Woche. Dafür verdienen wieder andere um die 5.000,- Dollar oder mehr pro Woche. Was es leicht nachteilig für diejenigen gestaltet, die selbst nicht in diese Gruppe gehören. Mit ein paar Dollar in Australien anzukommen und sich durch zu schlagen, reiht sich definitiv in meine Liste der besonderen Erfahrungen ein.

So verstrichen ein paar Wochen in “K-Town” auf Western Australischem Boden, welches im kompletten Gegensatz zu meinem Zuhause auf Lombok steht. Dort fanden sich Menschen ausschließlich zur Erholung für ein paar Tage oder Wochen ein. In Karratah sammeln sich Menschen, rein der Arbeit wegen. Oft für einen längeren Zeitraum und so mancher möchte noch nicht einmal unbedingt da sein. Durch meine Gelegenheitsarbeit im Bottle Shop, als der Mann der den Leuten nach einem Arbeitstag unter glühender Sonne eine kühle Box Bier durch das offene Fenster im Wagen reicht (meist wird noch im Auto das erste Bier geköpft), hat man bald einen guten Draht zur halben Stadt. Ein guter Job.

Karratha ist ein guter Fleck um Arbeit zu finden. Wer noch dazu handwerkliche Fertigkeiten mit sich bringt, hat die Nase ganz weit vorn. Empfehlenswert ist es, nicht unbedingt zur Weihnachtszeit anzukommen, da so ziemlich jede Menschenseele den Ort verlässt. Keine Menschen, keine Arbeit. Eine Joboption oder finanzielle Reserven mit sich zu bringen, ist mehr als empfohlen.
Wer dort ist und mobil, sollte Marie Pool besuchen. Sich mit den Lianen ins Wasser zu schwingen und der Hitze ein Schnäppchen zu schlagen, macht Freude.

Im Moment befinde ich mich in Kambodscha in einer kleinen Stadt genannt „Kampot“. An meinem Buch arbeiten, Freunde treffen, Weihnachten und Neujahr verbringen, dass ist der Plan. Die Reise hierher hat drei Tage gedauert, inklusive einer lange Nacht am Flughafen in Perth und eine Nacht in Bangkok. Und es ist wieder einmal ein Weltensprung. Von Australien nach Asien ist definitiv ein spannender Kulturwechsel. Kambodia ist liebenswert, das Essen so unbeschreiblich lecker, wie ich es bislang selten an einem Spot erlebt habe und die Preise sind unschlagbar günstig. Ein guter Fleck um ins Neue Jahr zu schlittern.

Anfang Januar geht es dann für einige Tage zurück nach Deutschland. Nach einem guten Jahr freue ich mich Familie und Freunde zu sehen, bevor es wieder heißt: On the road again!

Nachdem ich von tropischen Temperaturen in den Deutschen Winter komme, soll es danach in die Berge Zentralafghanistans gehen, um es noch ein bischen kälter zu machen. Es sei denn, das Afghanische Konsulat verweigert mir die Aushändigung des Visas… was dennoch nicht passieren wird, hoffe ich. Es soll der Auftakt zu einer Reisedokumentation werden, was  mich meinem großen Ziel als reisender Schriftsteller meinen Lebensunterhalt zu erzielen, einen guten Schritt voran bringt. Nach getaner “Probearbeit” geht es wieder zurück nach Australien, wo hoffentlich wieder ein paar Stunden für mich anfallen.

Es war ein aufregendes, abenteuerreiches und beeindruckendes Jahr. Manchmal war es so gut, dass einem die Worte fehlen. Sicherlich peitschten auch die rauhen Seiten der See ins Gesicht. Ich habe vieles gesehen und gehört. Ja, die Geschichten der Reisenden sind endlos und vielfältig. Mit dem selben Budget in Australien für ein paar Wochen in Armut gelebt und in Teilen Asiens selbst im Sparmodus nahezu fürstlich gelebt.Vulkane wurden bestiegen, der Djungel erforscht, im Ozean geschnorchelt und versehentlich giftigen Wasserschlangen gefolgt. Ich habe mich zu Fuß, per Fahrrad, Roller, Motorrad, Schiff, Boot, Zug, Tuk-Tuk, Flugzeug oder auf Autodächern fortbewegt, habe gesurft und mich an Lianen durch den Regenwald geschwungen. Habe Insekten, Goldfisch, Bananenbaum-Curry und verschiedenste andere Gerichte (manchmal wusste man auch einfach nicht was es war) gekostet, 1544 Km per Anhalter durchs Outback gereist (auf falschem Highway gestrandet), verrückte Party- oder Großstädte und einsame Inseln, in Singapur gepokert, riesige Barakudas oder Mahi-Mahi über der eigenen Feuerstelle gegrillt, eine neue Sprache etwas erlernt, in der Hängematte sinniert, einen Hai gefischt und einen Schiffsmotor repariert, als ein Bootsmechaniker nicht mehr weiter wusste (wer meine technischen Fertigkeiten kennt, wird mir zustimmen, dass das unglaublich ist^^).  Durfte an verschiedensten Plätzen verweilen und Leben, wie in einem Bergdorf in Thailand, an einem See, an Stränden, an Flüssen, in Großstädten und im Outback, bin im Indischen Ozean geschwommen und habe im Sumatra-Regen meine Arme ausgebreitet. Hatte Einblicke in Buddhismus und Hinduismus, lebte auf christlichem als auch auf muslimischen Boden. Fast durch einen entgegen schlitterten Tanklastzug das Zeitliche gesegnet und gelegentlich hat man ein schlechten Magen. Andere Länder, andere Sitten. Andere Sitten, anderes Leben! Kann nur sagen, dass ich diese Vielfalt liebe.

Speziell Eines ist mir aber besonders in Erinnerung geblieben, dass ist der oftmals  große Sprung zwischen Wohlstand und Armut. Und dann genau jene Menschen, die nichts haben… Wenn ich an manche Orte in Asien zurück denke, in welcher Balance und Zufriedenheit die Menschen dort leben, ist dies immer noch mit das beeindruckenste Erlebnis von allen. Dabei haben diese Menschen kein Geld um zum Arzt zu gehen, mehr Fleisch zu kaufen oder ein Zimmer voller Geschenke zu füllen.

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest! Möge jeder genießen was er hat und nicht beklagen, was er noch braucht.
Natürlich auch ein fantastische Neues Jahr! Daumen hoch für 2014^^

 

Daumen hoch für 2014

Daumen hoch für 2014

Wir lesen uns.


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