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Die Lords of Backpacking

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Markus (30, Wassermann)

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Lords of Backpacking Steckbrief: Selma

Manu (31, Waage)

Gastronomisch in der Welt unterwegs

Lords of Backpacking Steckbrief: Manu

The act of killing

Selma am 5. Mai 2014

Eine Dokumentation von Joshua Oppenheimer

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Eine Dokumentation die im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Wellington gezeigt wurde. Der Film wurde im Penthouse cinema gezeigt, ein Kino in Brooklyn, was für mich bedeutete, an einem Sonntag Morgen (früh!)mit dem schrottigsten Fahrrad welches ich je besass den Berg nach Brooklyn hochzufahren… Oder in meinem Fall zu schieben.
Überzeugt davon dass ich den Weg unterschaetzt hatte und der halbe Film schon vorbei sein würde, war ich eine halbe Stunde zu früh dran. Deutsche Pünktlichkeit zahlt sich mal wieder aus! Die Zeit war notwendig um sich zu erholen und mental auf den Film einzustellen. Man hatte mich vorher schon gewarnt, der Film sei emotional verstörend.

Um 11:30 vormittags ging es dann auch los. The Act of killing ist ein Film über das Töten und Foltern von mehr als 500000 Kommunisten, hauptsächlich Chinesen in diesem Fall, in 1965, also noch garnicht solange her. Damals uebernahm das Militaer die Macht in der Regierung und mit allen Mitteln versuchten sie, den Kommunismus im Land auszurotten. Mithilfe von Propaganda Filmen wurde schon den kleinsten Kindern vermittelt, was für brutale Monster Kommunisten seien. Dem Volk soll klar gemacht werden, dass alle Kommunisten, und damit alle Chinesen, ihre Feinde sind.
Inoffiziel für die Regierung arbeitend gibt es eine militaerische Gruppierung, Pemuda Pancasila, die heute noch exisitiert und 3 Millionen Mitgleider verzeichnet. Ex-Mitglieder und sogar noch aktive Mitglieder, die in den Tötungen damals tragende Rollen spielten, stehen zentral in der Dokumentation. Der Gründer dieser Gruppierung, Anwar, berichtet im Film aus erster Hand, wie sie getötet und wie sie ihren Alltag verbracht haben. Diese Menschen zeigen zumindest zu anfang des Filmes kaum schlechtes Gewissen, sie berichten mit Stolz und mit viel Humor von ihren brutalen Taten. Es war ihre Arbeit, sie hatten kein schlechtes Gewissen, weil sie überzeugt davon waren das Richtige zu tun.
Die Dokumentation beginnt mit den Erläuterungen und teilweise sehr lebensechten Darstellungen der Killer. Anwar berichtet mit viel Humor, Gesang und Tanz detailgetreu, wie sie die Chinesen umgebracht haben. „For Massacres its best to wear strong pants, I always wear my jeans.“ Er berichtet und spielt die Tötungen in Szenen nach. Auf einem leeren, grauen Dach eines Hauses zeigt er eindrucksvoll, wie er normalerweise eine Opfer erdrosseln würde. Kaum Reue ist in seiner Stimme und die seiner Kameraden zu hören.
Später wird der Film immer surrealer. Die Killer werden zu Opfern und produzieren ihren eigenen Film, mit Tötungsszenen aus ihren Erinnerungen. Anwar selbst durchlebt diesen Alptraum als Opfer und bricht in Tränen aus. Er kann das Theaterspiel und die Erinnerungen die dabei aufkommen kaum aushalten. Erste Zweifel steigen in ihm auf. Vielleicht war das, was er getan hat, am Ende doch eine Sünde? Nach dem Theaterspiel kehrt er zurück zu dem grauen Dach und durchlebt dieses mal ganz andere Emotionen.
Der Film stellt das Töten und die Verbrechen aus erster Hand der Täter das und zeigt dem Zuschauer einen Blickwinkel, der dieser normalerweise nicht gewohnt ist. Die Dokumentation fällt auch deshalb aus dem Rahmen, indem sie den Spieß umdreht: Täter, die stolz berichten und kein bisschen scheu sind, sogar angeben, mit ihren Verbrechen, werden plötzlich zu hilflosen Opfern. Obwohl es nur ein Spiel ist, und sie wissen, dass sie in Wirklichkeit nicht getötet werden, können die Täter diese Ironie emotional nicht aushalten. Die Angst und das Leiden ist nicht gespielt, sondern echt, die Emotionen, die aufkommen, sind Wirklichkeit.
Mich persönlich hat der Film sehr mitgenommen. Er geht einem wirklich in die Seele, durch seinen Inhalt, aber auch die Art der Darstellung und die schockierende Wirklichkeit der noch immer andauerenden Ungerechtigkeit und dem nicht zustande kommen von Reue, Strafe oder jeglicher Art von Verarbeitung.

Für interessierte, die Dokumentation ist auch auf Youtube in voller Länge zu finden!


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