Mit dem Roller quer durch Flores – Von Labuanbajo, über Ruteng nach Papang

Selma am 7. Oktober 2014

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flores map part 1

Labuanbajo

Labuanbajo ist eine kleine Hafenstadt ganz im Westen der Insel Flores. Zurzeit boomt der Tourismus hier nur so, obwohl man es bei weitem noch nicht mit Bali oder dem Rest Südostasiens vergleichen kann. Labuanbajo ist die am schnellsten wachsende Stadt in Indonesien, was dem Tourismus zu verdanken ist. Ich denke hier tragen zu gleichen Teilen die berühmten Drachen Komodos, sowie einige der schönsten Tauchsites der Welt bei.

Zwar bin ich neben Vollzeit-Kletterer auch gerne manchmal Taucher, tauchen passt nur nicht so ganz zum Budget-Image und mein Bankkonto würde es mir auch nicht danken. Nach 4 Tagen Tortur auf dem Boot hab ich sowieso erstmal genug vom Wasser. Stattdessen soll es auf dem Land weitergehen: Zusammen mit meiner Freundin Michi aus Deutschland wollen wir 16 Tage mit dem Motorbike quer über die Insel touren, und dann wieder zurück!

Nach kurzerm Herumfragen haben wir auch schnell ein paar passende Bikes gefunden: Danny, ein freundlicher Floresianer der gerade dabei ist, sich ein Backpacker-Hostel aufzubauen, vermietet uns zwei wundervolle Bikes und passt gleichzeitig auf unsere Rucksäcke auf. Noch ganz neu im Backpackerbusiness, liegt sein Hostel zu seinem Pech etwas abgelegen vom Backpackertroubel. Zu unserem Glück, denn es gefällt uns hier, abseits von den sonst so von Hotels zugepackten Straßen Labuanbajos. Von Anfang an verstehen wir uns gut mit Danny, der ja auf unser großes Gepäck aufpassen soll während wir unterwegs sind. Wir vertrauen ihm, und lassen darum unsere Rucksäcke mit Laptop dort zurück. Von jetzt an wird zwei Wochen nur mit dem kleinen Rucksack gereist! Eigentlich brauch man ja auch nicht mehr 🙂

Am Tage unserer Abreise quatscht uns Danny dann noch ziemlich zu, überhäuft uns nur so mit Tipps und Ratschlägen. Detailgetreu erklärt er uns den Weg, raus aus Labuanbajo und vorbei an der Tankstelle. Trotzdem fahren wir natürlich erstmal die falsche Straße raus… und es dauert ein bisschen ehe wir die von Baustellen umsäumte „Haupstraße“ mit der versprochenen Tankstelle finden. Leider ist diese gerade „Habis bensin“, gibt kein Benzin mehr.

Glücklicherweise warten vor der Tankstelle mehrere Frauen mit Flaschen voller Benzin auf uns, die uns selbiges mit kleinem Aufpreis verkaufen.

Ach Indonesien, wo die Einheimischen die Tankstellen leerkaufen, damit sie den Sprit mit Gewinn weiterverkaufen kann. Das nenne ich doch ein Gefühl fürs Geldverdienen!

Auch in den nächsten beiden Orten warten auf uns leere Tankstellen. Bei umgerechnet ca 80 cent pro Liter bei den Benzinfrauen am Straßenrand, ärgern wir uns allerdings auch nicht allzusehr darüber.

On the Road!

On the Road!

Ruteng

Die Straße nach Ruteng ist eher schlecht als recht, voller Kurven und Sand. Dadurch kommen wir erst am frühen Abend in der Stadt in den Bergen an. Das Klima ist hier auch gleich schon viel kälter, man sieht viele Kirchen und sogar ein paar Nonnen laufen auf den Straßen rum. Ein seltener Anblick im sonst so muslimischen Indonesien.

Wir nehmen im Hotel Ranaka Einzug, ein einfaches, dafür lautes, Gasthaus für nur 100.000 RP. Essen gibt es im Nachbarwarrung für 13.000 RP (weniger als 1 Euro).

Danach haben wir noch ein bisschen Zeit die Stadt zu entdecken, bevor die Sonne untergeht. Sobald man das Zentrum ein bisschen verlässt, wird es hier auch richtig schön: grüne Reisfelder und vereinzelte Häuser dazwischen. In der Nähe einer Kirche ruft uns eine Nonne herüber, und wir finden uns in einer Art Mädcheninternat wieder. Die Nonne spricht nur Bruchteile Englisch, genauso wie ein paar der Mädchen. Allerdings wollen sie sich die Chance nicht entgehen lassen, ihr Englisch mit uns zu üben und so werden wir in ein einfaches Gespräch über Indonesien und Deutschland verstrickt. Als Dankeschön geben sie uns ein paar Bananen mit, als wir aufbrechen um noch ein Internetcafe zu finden.

Umgebung von Ruteng

Umgebung von Ruteng

Katholisches Mädcheninternat in Ruteng

Katholisches Mädcheninternat in Ruteng

Kirchen gibt es hier überall

Kirchen gibt es hier überall

Im Internetcafe schließen wir neue Bekanntschaften. Hier wird man wirklich überall angesprochen, in keinem anderen Land habe ich das bisher so stark erlebt! Aber so lernen wir John kennen, ein sehr freundlicher, und gepflegter Indonesier der uns von einem Festival am darauffolgenden Tag erzählt: In Papang, einem naheliegendem Dorf, soll eine große Zeremonie stattfinden, eine Art Thanksgiving am Ende der Ernte, nennt sich „Penti“. Während des Penti kann man den „Caci“ Tanz beobachten, ein Tanz der nur von Männern ausgeführt werden und der eher einem Kampf ähnelt, und mitunter auch blutig wird. Während des Tanzes näher sich die Tänzer/Kämpfer einander mit Peitschen und Schildern und der eine versucht den anderen mit einer Kurzpeitsche zu treffen. Trifft er, hat er gewonnen. In diesem Gebiet von Flores, welches sich Manggarai nennt, gibt es häufig solche Zeremonien und sie sind allseits beliebt bei den Einheimischen.

Natürlich wollen wir uns das ansehen, und so verabreden wir uns mit John am nächsten Tag, der uns einläd ihn dorthin zu begleiten.

Als wir ihm am nächsten Tag aufsuchen, berichtet er uns leider dass er aus bestimmten Gründen nicht mitkommen kann, und uns allerdings den Weg erklären wird. Er sagt einem Freund von ihm Bescheid, dass wir kommen und wir können das Dorf auch einfach selber finden. Die Bikes haben wir ja!

Papang

Der Weg nach Papang führt einmal über die Berge, bis ganz in den Süden von Flores. Nach beinahe 2 Stunden fahrt geht es dann auf eine Straße, die eher einem Trampelpfad mit ein bisschen Asphalt ähnelt, weiter. Ein paar Indonesier, die gerade aus dem Bus springen aus wir auf die neue „Straße“ einbiegen, springen kurzerhand bei uns aufs Bike mit drauf, und fahren mit nach Papang. Mein Mitfahrer hat seinen eigenen, weißen Hahn dabei, den er an den Hinterbeinen festhält. Das arme Tier gackert hilflos bei jedem Hopser, und davon gibt es hier ununterbrochen welche.

Auf dem Weg nach Papang - Anfangs ist die Straße noch gut

Auf dem Weg nach Papang – Anfangs ist die Straße noch gut

Immerhin gibt es eine Brücke auf der Straße nach Papang!

Immerhin gibt es eine Brücke auf der Straße nach Papang!

Als wir dann nach dem ewigen Kampf mit der Straße (und dem Hahn hintendrauf) ankommen, werden wir gleich gebührend empfangen!

Ich versuche mal unsere Situation zu beschreiben: Bei Ankunft im Dorf sind wir erstmal total K.O. von der Straße. Wir haben eigentlich keine Ahnung, was uns erwartet, da John uns nur wenig über das Festival erzählt hat. Von Anfang an, umringen uns die Leute. Wir werden als Ehrengäste ins Haus des Dorfhäuptlings gebracht, dort auf Kissen gesetzt, und von ungefähr 200 Leuten begrüßt, die sich vor uns niederknien und mit breitem, von betelnuss-roten Zähnen gefülltes Lächeln, uns die Hände schütteln. Wir wissen nicht was wir sagen oder tuen sollen. Ich versuche noch meinen etwas verdreckten Rucksack, mit den dicken Wanderschuhen die außen dranhängen, unter den Kissen zu verstecken. Unsere Strategie ist einfach: Viel lächeln und alle Hände kräftig schütteln! Ich glaube wir halten uns auch ganz gut.

Einer der Dorfleute spricht ein bisschen Englisch und kann uns glücklicherweise etwas erklärem. Nach gefühltem einstündigem Händeschütteln, versuchen wir ihm zu sagen, dass wir doch gerne den Tanz draußen sehen wollen, der die ganze Zeit seit unserer Ankunft schon im vollen Gange ist. Wir begeben uns also nach draußen und werden einmal quer über den Tanzplatz geführt. Jetzt weiß natürlich jeder, dass ein paar Weiße zu Gast sind!

So gut es eben möglich ist, versuchen wir uns im Hintergrund zu halten und ein paar Fotos zu schießen.

Manggarai, traditioneller Caci Tänzer

Manggarai, traditioneller Caci Tänzer

Mit Peitschen und Schildern wird hier getanzt

Mit Peitschen und Schildern wird hier getanzt

Der Angreifer hält eine Kurzpeitsche, während der Verteidiger ein Hölzernes Schild und eine lange Peitsche bekommt.

Der Angreifer hält eine Kurzpeitsche, während der Verteidiger ein Hölzernes Schild und eine lange Peitsche bekommt.

Später setzen wir uns wieder ins Haus. Hier sind weniger Leute und wir fühlen uns weniger beobachtet. Auch tut es gut, aus der Sonne rauszukommen und der Tanzmusik, die aus mehreren gigantischen Boxen gehämmert wird, zu entkommen.

Kaum sitzen wir allerdings auf unseren Kissen, wird es draußen ein bisschen unruhiger. Viele der Leute, die vorher draußen waren, kommen plötzlich nach drinnen, und setzen sich auf die ausgebreiteten Decken. Wir rücken zur rechten Seite, und dann kommen auch schon die echten Ehrengäste: Ein paar Politiker aus Ruteng sind geladen! Sie kommen mit einem kleinen Gefolge, die alleine schon fast den Raum füllen. Auf einmal sitzen wir neben dem wichtigen Politiker aus Ruteng. Ihm zu Ehren wird jetzt auch richtig aufgefahren! Nachdem auch ihm alle die Hände geschüttelt haben, gibt es zu Essen, zu Trinken und die guten Zigaretten werden gereicht.

Ehrenplatz!

Ehrenplatz!

Ein Huhn wird geschlachtet!

Ein Huhn wird geschlachtet!

Später gibt es auch was zu Essen

Später gibt es auch was zu Essen

Zigaretten werden auf den Kissen ausgelegt

Zigaretten werden auf den Kissen ausgelegt

Ein kleiner Spaziergang durchs Dorf um dem Trubel zu entkommen

Ein kleiner Spaziergang durchs Dorf um dem Trubel zu entkommen

Das Essen ist gut, Ubi, eine lokale Kartoffelart, nennt sich auch Cassava bei uns, ein einfacher Salat, später Reis und frisches Fleisch. Ein Huhn wird auch zu Ehren des Politikers vor unseren Augen geschlachtet. Wir verpassen hier auch wirklich garnichts!

Später werden noch Fotos gemacht, auf denen wir natürlich auch mitdrauf sind.

Nach ein paar Stunden, haben wir dann auch genug gesehen. Außerdem verlangt es uns ganz stark nach ein bisschen Ruhe. Daher lehnen wir das Angebot, im Dorf zu übernachten, dankend ab. Wir geben trotzdem eine kleine Spende an die Familie des Dorfhäuptlings. Die Leute verabschieden uns mit aller Freundlichkeit, und ein bisschen bereuen wir es schon zu gehen. Auf jeden Fall war unsere kurze Zeit hier in Papang ein unvergessliches Erlebnis, eines von noch vielen, die uns hier auf Flores erwarten!

Die Kinder folgen uns bis wir das Dorf verlassen

Die Kinder folgen uns bis wir das Dorf verlassen


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Ein Kommentar zu “Mit dem Roller quer durch Flores – Von Labuanbajo, über Ruteng nach Papang”

  1. schrieb am 9. Februar 2016 um 13:21 Uhr :

    Hallo, euer Bericht liest sich super spannend! Ihr habt nur vergessen, den Namen von Dany’s Hotel zu nennen! Vielleicht könnte ihr mir den ja schreiben?
    Gruß michi

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