Mit dem Motorbike durch Flores – Belaragi

Selma am 5. Dezember 2014

13-16 September 2014

Watulaja

Ich sollte noch Stunden danach rot ausspucken! Keine Sorge, ich habe hier keine blutigen Auseinandersetzungen erlebt. Die Sprache ist hier von der Betelnuss, die in vielen kleinen Dörfern Indonesiens ununterbrochen gekaut wird und das breite Lächeln der Einheimischen in eine rote Fratze verwandelt.

In Watulaja bekommen wir die Chance, diese Spezialität einmal selber auszuprobieren! „In Indonesia, you have to try chewing the betelnut“, erklärt uns Philip auf seiner Geburtstagsfeier, für die wir ja extra zurückgekommen sind. Einige Stunden zuvor wurde ein Schwein geschlachtet, und ein dickes Festmahl aus jeglichen Teilen des Schweines zubereitet. Außerdem ist der beste Arak im Dorf bereits in Strömen geschfloßen, und so sind wir gesättigt, zufrieden und leicht angetrunken mit allen seinen Vorschlägen einverstanden! Kurz darauf bekommt jeder ein Stück des gekochten Schweineherzens angeboten, und natürlich sind wir auch damit einverstanden!

Philip und sein Hund

Philip und sein Hund

So geht es am darauffolgenden Nachmittag wie geplant zu der Familie eines der Jungs die für ihn arbeiten.
„Big Mama“ bringt uns ein paar frisch getrocknete Nüsse und Tee zum runterspülen. Big Mama ist das weibliche Oberhaupt des Hauses, und ihr rotes Lächeln ist so breit wie nirgends sonst im Dorf. Uns wird erklärt, dass die Betelnuss sehr gut für die Lunge ist. Der Trick ist, sie nach dem Kauen auch runterzuschlucken, anstatt, wie es sonst üblich ist, auszuspucken.
Nungut, also runter mit der scheußlichen Delikatesse! Nachdem wir sie einige Minuten gekaut haben, Zunge und Zähne sind bereits blutrot, wird der Rest mit Tee hinuntergespült. Die Betelnuss liegt wirklich schwer im Magen und wir reißen uns zusammen, um sie nicht wieder heraufzuwürgen. Danach wird uns eine typische, mit Nelken versetzte Zigarette, angeboten „Also, smoke one of these!“, wird hinzugefügt. Unverständlich, wie die Zigarette der Gesundheit der Lunge helfen soll, frage ich „What for?“ nachdem ich einen Zug probiert habe. „For a better taste in your mouth!“, ist die simple Antwort.

Aufgepuscht vom Betelnusskauen und leicht betäubt vom Nelkenrauchen, geht es danach zur nächsten Dorfparty: Diesmal steht eine Hochzeit an, und das Hochzeitspaar freut sich besonders über ein paar Weiße auf ihrer Feier! Die Party ist diesmal viel wilder, als die letzten Kommunsionspartys und es wird mal wieder traditionell in der Reihe und im Kreise getanzt, was das Zeug hält! Man lässt uns kaum in Ruhe sitzen, demnach fallen wir später auch totmüde in unsere Betten!

Ebulobo - Ein Vulkan im Zentrum Flores. An der rechten Seite kann man sogar noch Lava sehen!

Ebulobo – Ein Vulkan im Zentrum Flores. An der rechten Seite kann man sogar noch Lava sehen!

Die Fahrt nach Bajawa

Die Fahrt nach Bajawa

Belaragi

Am nächsten Morgen fahren wir in der früh los nach Bajawa, um uns dort mit William zu treffen. William, ein Freund den wir bei Philip kennengelernt haben, ist nämlich auch unser Guide der uns zu dem abgelegen Dorf Belaragi bringen kann.
Belaragi ist ein typisches, traditionelles Ngada Dorf in der Nähe von Bajawa, welches man nur zu Fuß erreichen kann. Es ist wie eine Reise rückwärts in der Zeit, alles ist sehr traditionell geblieben: Holzhäuser, keinen Strom, Fernseher oder sonstige moderne Annehmlichkeiten und eine Lebensweise, wie sie hier in den meisten Dörfern vor noch 100 Jahren herrschte, kann man hier noch vorfinden.
Wir treffen uns mit William in einem kleinen Cafe in Bajawa, und nach einem kurzen Wiederstehens-Plausch geht es auch schon los, mit den Scootern in die Hügel hinein!
William führt uns über Umwegen nach Belaragi!

Ein Zwischenstopp bei den Manalage Hotsprings

Ein Zwischenstopp bei den Manalage Hotsprings

Lunch!

Lunch!

Nach Beendigung des entspannenden Bades, wird eine kleine Spende dagelassen

Nach Beendigung des entspannenden Bades, wird eine kleine Spende dagelassen

Die Fahrt nach Belaragi besticht mit wundervollen Aussichten

Die Fahrt nach Belaragi besticht mit wundervollen Aussichten

Michi auf dem Roller vor mir

Michi auf dem Roller vor mir

Der Fisch wird frisch bei den jungen Fischern eingekauft, bevor es hoch in die Berge geht

Der Fisch wird frisch bei den jungen Fischern eingekauft, bevor es hoch in die Berge geht

Nach unsere kleinen Detour geht es schließlich weiter zu Fuß, den kleinen Berg hinauf nach Belaragi. Auf einem ausgetrampelten Pfad treffen wir mehrere Dorfbewohner, die denselben Weg, allerdings in umgekehrter Richtung beschreiten. Dies ist der einzige Weg zum Dorf, und so mancher begeht ihn auch nur mit Maulesel. Wir treffen so viele Dorfbewohner, dass William irgendwann nachfragt, und wir finden heraus, dass ein wichtiges Dorftreffen am Fuße des Berges am nächsten Morgen stattfinden sollte, weswegen sich die Dorfbewohner bereits am Abend zuvor an den Abstieg wagen.

Auf dem Weg nach Belaragi

Auf dem Weg nach Belaragi

Die Dorfbewohner kommen uns entgegen

Die Dorfbewohner kommen uns entgegen

Sonnenuntergang während unserer kurzen Wanderung

Sonnenuntergang während unserer kurzen Wanderung

Als wir bei Dunkelheit in Belaragie ankommen, sind wie erwartet auch nur eine Handvoll Dorfbewohner vor Ort. Die wenigen, die allerdings noch da sind, versammeln sich alle in dem Haus, wessen Familie uns eingeladen hat zu nächtigen. Die Häuser sind alle komplett aus Holz gebaut, stehen auf Stelzen und haben ein langes, Sptitzzulaufendes Strohdach. Sie sind eher höher, als breiter und jedes hat nur zwei einfache Räume: Eine Küche die größtenteils aus einer Feuerstelle und Schornstein besteht, und desm Schlafraum, in dem ganz simpel auf dem Holzboden geschlafen wird. Eine große Jesusfigur und ein Vorhang schmückt den Schlafraum unseres Hauses.

Erst am nächsten Morgen sehen wir das wunderschöne Belaragi!

Erst am nächsten Morgen sehen wir das wunderschöne Belaragi!

Ein traditionelles aus Holz und Stroh gefertigtes Haus in Belaragi

Ein traditionelles aus Holz und Stroh gefertigtes Haus in Belaragi

Ein Miniatur Haus auf dem echten Haus als Symbol für einen hohen Sozialen Status und aus Respekt vor den Vorfahren

Ein Miniatur Haus auf dem echten Haus als Symbol für einen hohen Sozialen Status und aus Respekt vor den Vorfahren

Alles Handarbeit - ein Korb wird geflochten

Alles Handarbeit – ein Korb wird geflochten

Ein kleiner Garten in dem Gemüse angebaut wird

Ein kleiner Garten in dem Gemüse angebaut wird

Zur Begrüßung wird ein Abendmahl aus gekochtem Reis und frittierten Fischen zubereitet. Die Fische schmecken genauso wie unsere Fischstäbchen von zuhause! Die dünnen, langen Aale die dazu gereicht werden, sind für mich allerdings gewöhnungsbedürftig!
Wir sind alle in der Küche, als einer der Jungs einen lebenden Hanhn hereinbringt: In diesem Moment wird uns klar, dass wir sobald eine weitere Tieropferung beobachten würden! Nachdem ein paar Formeln von Leila, dem weiblichen Oberhaupt der Hauses gesprochen wurden, während sie den lebenden Hahn in ihren Händen hält, nimmt der Junge das Tier zurück in seine Hände und schneidet ihm mit dem Messer tief in den Schnabel! Das Tier zappelt noch eine Weile und dann ist es überstanden. Die Federn werden über dem Feuer abgebrannt. Danach schneidet er den toten Hahn offen und reicht ihn zurück an Leila. Die studiert eingehend den Darm, indem sie ihn Stück für Stück hinauszieht und jeden Wrinkel einzeln betrachtet. Daraus liest sie unsere ZukunftÖ 70 Prozent Glück. William ist hierbei unser Übersetzer, denn keiner der Dorfbewohner spricht auch nur ein Wort Englisch!

Zukunft lesen aus Hühner Eingeweiden!

Zukunft lesen aus Hühner Eingeweiden!

Nach der Begrüßungszeromonie wird der Hahn weiter zerkleinert und zur Suppe verarbeitet. Die gibt es später zusammen mit Reis und gutem Arak!
Wir haben eine gute Zeit in der kleinen, einfachen Küche. Zwar verstehen wir nicht wirklich was geredet wird und William schafft auch nicht, alles zu übersetzten, aber es wird viel gelacht und getrunken! Jedes mal, wenn unsere kleine mit Arak gefüllte Kokosnusschale leer ist, wird sie sofort aufgefüllt!

Nach und nach gehen alle schlafen: Es wird sich einfach auf den Boden gelegt und mit den aus dicken Stoffen gefertigten Sarongs zugedeckt. Für uns hat man aber dünne Matrazten hingelegt. Alle schlafen im selben kleinen Raum! Es ist ein bisschen wie in einem Dormitory: Ein paar Leute schnarchen, ein paar furzen, und dann und wann steht einer auf und geht aufs Klo! Trotzdem schlafen wir ungemein gut und am nächsten Morgen sind wir die letzten die aufstehen!
Den Morgen verbringen wir damit, aus den unmengen an Kokosnusschalen die hier hermliegen, ein Set aus Schüsseln und Tassen herzustellen! Es ist viel Arbeit, die halben Schalen müssen erst mit einem groben Messer bearbeitet werden, mit dem wir die ganzen Haare und ausbuchten abschaben. Danach nehmen wir Glassplitter, um das innere und äußere der Schalen abzuschaben. Zusammen bearbeiten wir 8 Schüsseln und 4 Tassen! Diese sind aber noch lange nicht fertig! Der nächste Schritt ist es, Schmiergelpapier zu besorgen und die Seiten und Ränder glatt zu schmiergeln.

Leila und einer ihrer Hunde - Lunch wird vorbereitet

Leila und einer ihrer Hunde – Lunch wird vorbereitet

Eine frisch geertete Bananenblume wird unser Lunch

Eine frisch geertete Bananenblume wird unser Lunch

Das Zerschneiden einer Bananenblume erforderd Fingerspitzenarbeit!

Das Zerschneiden einer Bananenblume erforderd Fingerspitzenarbeit!

Michi und William beim bearbeiten der Kokosnussschalen

Michi und William beim bearbeiten der Kokosnussschalen

Mit dem Messer werden die Ränder glatt geschliffen

Mit dem Messer werden die Ränder glatt geschliffen

William und Michi - In Indonesien lernt man geduldig zu sein! Wir warten aufs Frühstück

William und Michi – In Indonesien lernt man geduldig zu sein! Wir warten aufs Frühstück

Nach einem ungemeint leckeren Lunch (ein simples Rezept in Indonesien: geraspelte Kokosnuss, Spinatartige Blätter, kleingehackte Bananenblumen zusammengeworfen und leicht gekocht) verabschieden wir uns und machen uns auf den Rückweg, und zu Besuch nach Jake und seiner Villa am Strand.
Dort verbringen wir eine weitere Nacht, und bearbeiten unsere Schüsseln zur Gänze! Jake gibt uns etwas von seinem Kokosnussöl, womit wir die Seiten der Schlaen noch eingehend bearbeiten. Danach werden sie in der Sonne getrocknet!

Unsere Villa :)

Unsere Villa 🙂

Spätestens am nächsten Morgen müssen wir auch schon weiter, wir haben noch zwei Tage bis wir in Labuanbajo sein wollen! Und noch so einige Kilometer vor uns!

Bapi

Anfangs überlegen wir noch, gleich bis nach Labuanbajo durchzufahren. Wir entscheiden uns allerdings schnell dagegen, als wir erst nach Einbruch der Dunkelheit in Ruteng ankommen, einem Ort der gerade mal auf halbem Wege unserer Strecke liegt.
John, in Indonesier den wir auf dem Hinweg bereits kennengelernt hatten, lebt hier und wir beschließen ihn in seinem Internetcafe zu besuchen. Natürlich ist er nirgends zu finden, also rufe ich ihn kurzerhand ein, und John läd uns genauso kurzerhand ein ihn und seine Familie in seinem Dorf Bapi zu besuchen und mit ihnen zu Abend essen. Ein Bett könne er uns auch anbieten. Perfekt!
In der mittlerweile undurchdringlichen Dunkelheit fahren wir also wieder aus Ruteng raus, und in das kleine Dorf Bapi, welches etwa eine halbe Stunde entfährt liegt.
Wir kommen nach einer Stunde an! Die Leute, die wir in der Dunkelheit treffen, können uns zum Glück weiterhelfen. Zwar besteht Johns Dorf nur aus etwa 10 Häusern, entlang der Straße, dennoch scheint es jeder hier zu kennen. Ich muss dazu sagen, dass es auch eine besondere Erfahrung war mit den Scooter, wovon nur einer Licht hat, durch die rabenschwarze Nacht zu fahren, denn Straßenlaternen gibt es nur in den Städten!

Auf dem Weg nach Bapi

Auf dem Weg nach Bapi

Michi, John & Me

Michi, John & Me

John freut sich insgemein, uns zu sehen und wir freuen uns ihn wiederzusehen! Im Haus ist seine ganze Familie versammelt. Er erklärt uns dass sie ein Familienmeeting haben, wir aber keinesfalls stören.
Die Familie (so ungefähr 50 Leute) versammelt sich alle in einem großen, leeren Raum. Wir sitzen auf dem Boden, als die jugendlichen Kinder das Essen bringen. Ich bin überrascht, wie gut die Kids hier erzogen sind! Es gibt auch ein paar Bier, denn hier sind alle katholisch, da darf man trinken.
Später, als die große Familiendiskussion losgehen soll, zeigt uns John unser Bett, im Hause seiner Schwester, denn hier ist es ruhiger.

Am nächsten Morgen, nach einem kleinen, einfachen Frühstück, müssen wir uns leider schon verabschieden und uns auf den Rückweg nach Labuanbajo machen um uns dort mit Danny, unserem Scooterverleih, zu treffen. Der hat uns nämlich eigentlich schon gestern zurückerwartet!

Wir sind spät dran, müssen aber diese Tankstellenschlangen leider aushalten!

Wir sind spät dran, müssen aber diese Tankstellenschlangen leider aushalten!

Es muss ja getankt werden

Es muss ja getankt werden


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