Kiwi, Kiwi, Kiwi!

Selma am 27. Februar 2014
Arbeit

Leben und Arbeit auf einer Kiwifarm

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Irgendwann gelangt eigentlich jeder Backpacker an den Punkt, an dem das Geld alle ist! In Neuseeland, dem Land der Kiwis, bietet es sich da natürlich an, sich Arbeit auf einer Kiwifarm zu suchen!

In der brütend heißen, Neuseeländischen Sonne kümmere ich mich darum seit Oktober um diese sonnengefärbten Früchte. Die Farm, oder Orchard wie man es hier nennt, habe ich in Takaka, einem kleinen Örtchen in der Golden Bay mit etwa 1000 Einwohnern, gefunden. Mittlerweile ist mein Kopf voller Kiwis und selbst in meinen Träumen entkomme ich der süß-sauren Frucht immer seltener.

Wie kommt man an so einen Traumjob?
Weg mit dem Lebenslauf und den Hochglanzfotos, in Neuseeland zählt nur, ob dein Arbeitgeber dich mag oder nicht! Am besten ist es also, sich persönlich zur Farm zu begeben, den Farmer auf dem Gelände zu suchen (der sollte ja auf einer gut geführten Farm am arbeiten sein) und einfach direkt zu fragen! So bin ich auf jeden Fall zu meinem Job gekommen, die Adresse bekam ich von „Heartland services“ in Takaka. Nachdem ich eine gefühlte Stunde auf der Farm umhergeirrt bin, finde ich ein paar Arbeiter. Die drei Jungs und Mädels sind aus Chile schicken mich nach einem kurzen Plausch zurück zum Farmhaus. Auf dem Weg dorthin beschließe ich, ich möchte hier, an diesem Ort, auf dieser Farm und vor allem mit diesen Leuten arbeiten! Alan den „Farmer“ finde ich dann auch in seinem Haus, er hält gerade Mittagspause! Natürlich strahle ich nur so vor Arbeitsmotivation, und Alan stellt mich ohne groß rumzulabbern („How long can you stay?“ War seine einzige Frage) ein. Nächste Woche Mittwoch soll es also losgehen 🙂


Was tut man in so einem Traumjob?

Mit dem Quad die Orchard unsicher machen, die Pausen im Schatten der Kiwibäume verbringen und dem Gesang der Vögel, die sich in den umliegenden Bäumen verstecken, oder der Kollegen, die sich in den anderen Kiwi-Baum-Reihen verstecken, lauschen?

Und im rückwärtsgang gehts wieder raus! Da bin ich mit dem Quad wohl falsch abgebogen

Und im rückwärtsgang gehts wieder raus! Da bin ich mit dem Quad wohl falsch abgebogen

Natürlich! Das macht zumindest einen Teil der Arbeit aus! Aber die meiste Zeit machen wir dann doch nur dasselbe: tipcrushing, strining, gurdling, pruning, thinning und noch 1000 andere jobs. Ich will hier auch nicht jeden Job ausführlich erklären, schaut euch einfach die Bilder an 🙂

die Kiwibaum-reihen Anfang Oktober. DIe Kiwibäume sind noch klein und sie haben keine Früchte.

die Kiwibaum-reihen Anfang Oktober. DIe Kiwibäume sind noch klein und sie haben keine Früchte.

In den ersten Woche haben wie die Spitzen der langen Äste zwischen unseren Fingern zerdrückt, nennt sich tipsrushing. Damit die Äste später nicht weiter wachsen und damit zu lang werden.

In den ersten Woche haben wie die Spitzen der langen Äste zwischen unseren Fingern zerdrückt, nennt sich tipsrushing. Damit die Äste später nicht weiter wachsen und damit zu lang werden.

Mit der Zeit ändern sich die Jobs aber immer wieder. Nach einem Monat auf der Farm, sind aus den kleinen „Butts“ an den Ästen, Blumen geworden. Bienen sind überall auf der Farm, damit die weiblichen Kiwibäume auch befruchtet werden. Während die Bienen arbeiten,pflücken wir überflüssge Blumen (thinning). Einer der schönsten Jobs, den die Blumen wachsen über einem, und pflückt man sie, regnen sie auf einem herab wie ein Blumenregen. Die Arme schmerzen trotzdem.
Irgendwann verschwinden aber auch die Blumen, dann entstehen die ersten kleinen Kiwifrüchte.

Die Kiwifrucht Ende November. Überflussige, zukünstige Kiwifrüchte werden schon abgepflückt, aus Tripples (kiwis die zu dritt an einem Stiel hängen), werdene einzelne Kiwis gemacht, thinning.

Die Kiwifrucht Ende November. Überflussige, zukünstige Kiwifrüchte werden schon abgepflückt, aus Tripples (kiwis die zu dritt an einem Stiel hängen), werdene einzelne Kiwis gemacht, thinning.

Danach gibt es natürlich weitere Jobs, die Bäumchen wachsen ja immer weiter und sie werden immer undurchdringlicher. Meistens ging unsere Arbeit also darum, Die Kiwibäume „leichter“ zu machen. Damit 1. Mehr Sonne an die Blätter und Früchte kommt; 2. Der Baum die Energie in die Früchte steckt, und nicht Äste wachsen lässt an denen sowieso keine Früchte entstehen. Dadurch werden die Früchte größer und süßer. und 3. Damit die Arbeit SPÄTER einfacher wird, zum Beispiel beim pflücken.

Äste die in der Mitte der Bäume wachsen werden brutal ausgerissen, "doing the centerpath".

Äste die in der Mitte der Bäume wachsen werden brutal ausgerissen, „doing the centerpath“.

Ein männlicher, ungeprunter, Kiwibaum. Vor dem Job!

Ein männlicher, ungeprunter, Kiwibaum. Vor dem Job!

Janina beim pruning. Die männlichen Bäume, die jetzt nicht mehr gebraucht werden da sie keine Früchte tragen, werden radikal niedergemetzelt.

Nächster Job „Pruning“. Die männlichen Bäume, die jetzt nicht mehr gebraucht werden da sie keine Früchte tragen, werden radikal niedergemetzelt.

Nach dem pruning!

Nach dem pruning!

Beim Pruning kommen dann auch mal interessantere Geräte zum Einsatz! Die Säge ist natürlich hier mal wieder steckengeblieben!

Beim Pruning kommen dann auch mal interessantere Geräte zum Einsatz! Die Säge ist natürlich hier mal wieder steckengeblieben!

Agressionen können beim Pruning auch gut ausgelebt werden, aber bitte nicht an den Kollegen!

Agressionen können beim Pruning auch gut ausgelebt werden, aber bitte nicht an den Kollegen!

Thinning in the Gold! Hier werden alle Äste abgepflückt, die zuviel Schatten auf die Kiwis werfen. Damit mehr Licht reinkommt!

Thinning in the Gold! Hier werden alle Äste abgepflückt, die zuviel Schatten auf die Kiwis werfen. Damit mehr Licht reinkommt!

Beautiful Golden Kiwi :-)

Beautiful Golden Kiwi 🙂

So sollten die Kiwis dann nicht aussehen!

So sollten die Kiwis dann nicht aussehen!

So sehen die Kiwibaum-reihen Mitte Januar dann aus.

So sehen die Kiwibaum-reihen Mitte Januar dann aus.

Unter den Kiwibäumen! In der Sommerhitze Neuseelands ist der Schatten während der Arbeit sehr willkommen!

Unter den Kiwibäumen! In der Sommerhitze Neuseelands ist der Schatten während der Arbeit sehr willkommen!

Damit die Arbeitsmotivation erhalten bleibt, ist es sehr wichtig, Pausen zu halten. Neben einer halben Stunde Mittagspause, und zwei kurzen Smokos, Raucherpausen, bzw Pausen um sich 15 min lang schlafen zu legen, ist es darum auch wichtig sich Zwischenpausen-Pausen zu erschleichen 🙂

Smoko, kleine Pause zwischendurch :)

Smoko, kleine Pause zwischendurch 🙂

Ganz oben dabei sind: 1. im Versteck der Kiwibäume auf dem Boden zu sitzen, und aufspringen sobald der Boss sich nähert (immer gut zu hören, da dieser meistens mit dem Quad erscheint) oder 2. grundsätzlich die Toilettengänge zwischen den Pausen zu erledigen, und das Naturklo am anderen Ende der Farm aufsuchen. Die Pausen haben nichts mit Faulheit zu tun, sondern sind essentiel um die Arbeitsmotivation und das Energieleven oben zu halten!


Wie baut man eine gute Beziehung zu den Kollegen auf?

Die faulen Kollegen

Die faulen Kollegen

Da die Arbeitskollegen in der Regel Leute sind, die sich bei Alan persönlich vorgestellt haben (also genauso wie ich), erzählt man am besten nur den netten Backpackern von diesem Job, damit diese sich auch ganz schnell vorstellen 🙂 Als ich hier anfing, hatte ich das große Glück, mit drei wundervollen Leuten aus Chile zusammenzuarbeiten. Mittlerweile sind die beiden Mädels Pilar und Consuelo und der Chilaner Raul wie eine Familie für mich geworden! Wir verbringen fast 24 Stunden zusammen, da wir alle im selben Haus, direkt bei der Arbeit leben. Mit der Zeit kommen Leute aus anderen Teilen der Welt dazu, und so haben wir hier eine buntgemischte Truppe (die sich zwischendurch natürlich auch verändert) mit Leuten aus Italien, Neuseeland, Frankreich, Deutschland, Egnland und Kanada. Alle leben in einem Haus, direkt an der Orchard und neben dem Takaka river. Wir haben hier viel Platz, eine große Küche, Barbecue und Trampolin im Garten, Trapez, Musikinstrumente und ganz viel gute Stimmung 🙂 Es wird viel zusammen gekocht und Gäste werden hier auch immer gern gesehen und auch verköstigt. Die Entfernung zur „Stadt“ hat den Vorteil, dass wir unsere mittlerweile berühmte Orchard Party auch mal spontan schmeißen können. Der Grundstein für eine gute Atmosphäre ist also gelegt 😉

Nach der Arbeit wird erst einmal zünftig zusammen geschmaust!

Nach der Arbeit wird erst einmal zünftig zusammen geschmaust!

Auf dem Autodacht gehts dann auch gleich nach der Arbeit zum schwimmen

Auf dem Autodacht gehts dann auch gleich nach der Arbeit zum schwimmen

Oft wird in Duos zusammen gearbeitet. Da diese sich immer wieder wechseln, hat man die Möglichkeit alle gut kennenzulernen (immerhin hängt man dann ja 9 Stunden aufeinander).
Als ich angefangen habe, arbeiten bereits die 3 Chilianer auf der Farm und ein Australier. Später kommen dann 2 italienische Jungs, ein Deutscher und eine Südafrikanerin dazu. Wir machen das erste Team aus! Um Weihnachten rum höeren alle, bis auf den Deutschen und die Südafrikanerin, auf. Es bildet sich jedoch schnell ein neues Team, mit einzelnen Leuten die alle spontan hier aufgetaucht sind:

Das Team! Neuseeländer, Deutsche, Engländer, Kanadier, Franzosen und Süfafrikaner :)

Das Team! Neuseeländer, Deutsche, Engländer, Kanadier, Franzosen und Süfafrikaner 🙂

Ende Januer ist dieser Traumjob jedoch erst einmal beendet. Aber bald steht dann ja noch die Kiwi-picking season im April an! Will ich mir das wirklich noch einmal antun? Da das Geld nicht lange in Neuseeland reicht, und es mich zurückzieht nach Takaka, werde ich mit größter Wahrscheinlichkeit wieder auf dieser Orchard landen. Bis dahin werde ich eine Picking-Gang aus 6 Leuten zusammengestellt haben!


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