Indonesien, Sumatra, Lake Toba, Samosir – Wenn die Zeit still steht

Markus Obstmeier am 14. März 2013

Nachdem ich mir, frisch in Medan angekommen, nicht mehr allzuviel erhofft hatte, stellte ich schnell fest, dass ich einmal wieder zu voreilig war. Überteuert, die Zimmer in keinem guten Zustand und hellhörig, machte ich mich gleich am nächsten Tag auf den Weg zum Lake Toba und wurde mehr als belohnt. Dieser See, der durch einen Vulkanausbruch vor 75.000 Jahren entstanden ist, erobert sofort. Schon am Ende der vierstündigen Fahrt, man hupt hier wenn man überholt, denn man überholt überall, saßen die Affen am Straßenrand und  hießen herzlich Willkommen. Dann erstmal mit dem Schiff zur Insel.

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Wassertaxi zum Hostel

Lake Toba, Wassertaxi zum Hostel

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Dort angekommen fühlt man sich wie ein Zeitreisender. Die Menschen hier leben einfach noch anders und etwas wie Zeitdruck, scheint hier völlig fremd. Die meisten besitzen hier gar keine Uhr. Nachdem  ich mich mit einer Backpackerin länger unterhalten habe, meinte Sie, dass wir uns morgen wieder treffen könnten… bei Sonnenuntergang, gleich zu Beginn der Dämmerung. Ja, so ungefähr wird hier mit Zeit umgegangen.

Die Leute sind sehr, sehr freundlich und die Insel ist ein Idyll. Der perfekte Ort für all jene, die ohne Massentourismus und eine große Auswahl an Aktionsmöglichkeiten auskommen. Denn viel Tourismus ist hier nahezu nicht vorstellbar. Es ist schon außergewöhnlich, wenn Schritte des Nächtens auf den Straßen zu hören sind, während man in einem der vielen Restaurants/Bars/Supermärkte sitzt. Dort speist man meist grundsätzlich  allein oder mit seiner Begleitung. Freizeitbeschäftigung ist Lesen, Schlafen, viel Schreiben, Schach und Billiard, in den See springen und essen. Was anderes gibt es hier einfach nicht, was aber gerade das Schöne ist.  Zum Essen  muss ich sagen, mit das Beste was ich bisher auf der Reise bekommen habe. Nach der Auswahl eines Restaurants, wird die  Hausherrin (sehr viele alleinstehende Frauen, mit keinem, einem oder mehreren Kindern betreiben die Läden)  die Bestellung aufnehmen. Anschließend entweder beginnen das Wasser aufzusetzen oder die Grillkohle in Wallung zu bringen. So ziemlich alles was hier aufgetischt wird, stammt von der Insel oder aus dem See. Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und natürlich Reis, wird jeden Mittag frisch geliefert. Während die Vorbereitungen laufen, wird das Getränk zubereitet, auf das je nach Art der Bestellung auch schon einmal 10 – 15 Minuten gewartet werden kann. Danach hört man aus der Küche Schäl- und Schneidegeräusche, vernimmt das zu beginnende Brutzeln und erschmeckt die ersten leckeren Düfte. Nach ungefähr einer Stunde ist es dann Essenszeit. Frischer gehts einfach nicht und obendrein ist es einfach super lecker…. und da Zeit hier keine Rolle spielt, gibt es auch kein ungeduldiges Warten.

Lake Toba

Lake Toba

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Die Menschen hier sind wirklich  sehr angenehm, freundlich und interessiert an Gesprächen, auch ohne verkaufen zu müssen. Wobei letzteres teilweise dringend notwendig für die Einheimischen ist, da die Straßen oft menschenleer sind. Sie waschen sich und  Ihre Wäsche im See  und schlafen in kleinen Räumen der Restaurants. Die Farmer in bescheidenen Landhütten.

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Das verdiente Geld genügt für Nahrung und Kleidung.  Ein frischer Seefisch vom Grill mit Beilagen kostet hier gerade einmal um die 3,50 Euro. Hierfür bleibt die Gute 45 Minuten am Grill sitzen und fechert, für ein perfektes Grillergebnis unter gleichmäßiger Hitze. Gleiches gilt für ein Rindersteak. Die Zimmer erhält man ebenfalls pro Nacht zwischen 30.000 und 100.000 Indonesische Rupieh, was umgerechnet etwa 2,30 bis 8,60 Euro ist. Das wirklich einzig „Teuere“ ist hier das Bier mit 2,40 Euro für 0,66 Liter. Der Laden bleibt solange offen, bis der letzte Gast, auch meist gleichzeitig der Einzige, sich entschließt zu gehen. In Medan habe ich mich zwei Stunden mit Eddie, einem muslimischen Motarrad-Taxi-Fahrer unterhalten. Er hat sechs Kinder, eine Frau (es könnten mehr sein) und verdient zwischen 4,- und 12,- Euro am Tag. Da wird solange gefahren, bis er wenn es nur irgendwie möglich ist um die 8,- Euro verdient hat. War ein klasse Gespräch, wir saßen auf seinem Bike und haben uns gegenseitig ausgefragt Besonders interessant wurde es, als ich mich mit dem streng muslimischen Eddie, der nie eine Frau heiraten würde, wenn sie  nicht zu seiner Religion konvertiert, auf die Frage, ob ich an Gott glaube, ein klares „Nein“ gab. So plauderten wir die Hälfte der Zeit über unsere grundverschiedenen Glaubensansätze. Er war sehr interessiert daran meinen Standpunkt zu verstehen und ich habe auch etwas über seinen gelernt.

Ansonsten gibt es am Lake Toba auch Speisen, mit denen ein Deutscher Restaurantbetreiber wohl ziemliche Schwierigkeiten bekommen würde und nicht drum herum kam ein Photo zu machen 😉

Sumatra, Medan

Sumatra, Medan

Menue Card

Menue Card

Die Massage-Story

Ich muss sagen, ich fühle mich sehr wohl an diesem fantastischen, zeitlosen Ort, der stets für eine Überraschung zu haben ist. Als ich fragte, ob es hier Massagen gibt, war die Antwort natürlich „nein“. Allerdings bot mir die junge Dame (30 Jahre) eine Massage an. Sie meinte sie sei kein Profi, aber es reiche aus. Gut, da ich mich richtig schön verlegt hatte, dachte ich mir, wieso nicht.  Hier ist sowieso jeder Laden alles in einem, warum auch nicht Massage. Darauf hin folgende Konversation:

Anna: Nur Massage, ja?!

Ich:  Ja klar, nur eine Massage! Die linke Schulter wärs…

Anna: Nur Massage (ernsthafter)!?

Ich: Ja, wirklich

Anna: Okay, nur Massage (mit gehobenen Zeigefinger) !

Ich: Ja!!!!

Anna: Gut, dann kannst Du jetzt meine Tante um Erlaubnis fragen.

Ich: Hehe,… du machst Scherze,…. oder?

Anna: Nein, du musst jetzt meine Tante fragen. Sie schläft in dem Zimmer hier. (deutete auf einen mit einer Gardine abgetrennten Raum)

Ich: Gut, ich will Sie nicht aufwecken. Wir lassen das dann besser mal.

Anna: Nein, nein, das ist wirklich kein Problem…. (sie stand auf und weckte Ihre Tante)

Während ich das Gespräch der beiden, etwas angespannt und nichtsverstehendend, ungefähr fünf Minuten lang mitverfolgte und eigentlich nur noch gehen wollte, mich dann auch entschied zu gehen, kam sie wieder heraus. Sie setzte sich wieder zu mir an den Tisch und zu meinem Leid, kam auch noch die verschlafene Tante in ihrem Schlafanzug heraus, setzte sich zu uns. So wartete ich darauf, dass Anna mir mitteilen würde, dass es nicht geht und ich endlich abdüsen konnte.

Anna: So, jetzt kannst Du meine Tante fragen.

Ich: Oh ja, gut… Soll ich? (Völlig verunsichert, angestarrt von musternden Augen der Tante). Okay, ich habe eigentlich nur gefragt, ob es hier irgendwo Massagen gibt. Anna meinte, dass Sie mich massieren könne und ich nun Sie fragen soll, ob es in Ordnung geht. Natürlich nur Massage, versteht sich. So…ja… Darf Sie?

Tante: …. (kein Wort, mich nur musternd ansehend, sagte dann endlich auf Indonesisch zu Anna etwas)….

Anna: Sie sagt heute nicht mehr, aber morgen würde es in Ordnung gehen.

Ich: Super, dann zahl ich jetzt mal und wir sehen uns dann morgen.

So war es dann auch, ich verließ das Lokal mit einem „Only Massage“, zugeworfen von der Tante. Am nächsten Tag, war ich nicht da. Wie ich mittlerweile weiß, bin ich nicht der Erste, der in so eine prekäre Situation geraten ist. Ich sagte es ja, es ist eine andere Zeit hier, eine sehr Schöne.

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

DSC00861

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir

Lake Toba, Samosir


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Ein Kommentar zu “Indonesien, Sumatra, Lake Toba, Samosir – Wenn die Zeit still steht”

  1. Amina schrieb am 19. März 2013 um 16:56 Uhr :

    Danke für den interessanten Beitrag und die schönen Bilder Markus. Dein Beitrag ist sehr informativ und lässt einen in Gedanken mitreisen…
    Schick uns doch bald mal den Reisefragebogen 🙂 damit wir noch mehr Eindücke von deiner spannenden Reise gewinnen können.

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