Der Weg zum Schicksalsberg und der Skydive

Moritz am 2. Juni 2014
Neuseeland

Der Albtraum tongariro alpine crossing / Frodo war hart, wir waren härter

Wir kommen nun zur schwarzen Seite unserer wundervollen Tour durch die Nordinsel. Es war definitiv ein Erlebnis, welches jeder von uns noch lange in Erinnerung behalten wird. Es geht hier um das berühmte und ach so tolle „Tongariro Alpinr Crossing“ im Nationalpark. „DER SCHÖNSTE EINTAGESTRIP NEUSEELANDS“ so hieß es in den Anzeigen. Berühmt ist der Trip, weil man an dem Berg vorbei läuft, welcher die Vorlage des Schicksalsberges aus „Herr der Ringe“ ist. Außerdem durchquert man auf seinem Weg eine aktive Vulkanzone und allgemein soll der Trip ca. 8 Stunden gehen.
Früh morgens sind wir aufgestanden und haben uns unseren Proviant zusammengepackt, für unseren Weg in Frodos Fußstapfen. Um ca. 7 Uhr holte uns dann unser Shuttle ab und fuhr uns zum Anfang des Weges. Beim Blick aus dem Fenster kamen schon die ersten Zweifel, dichter Nebel und eine maximale Sichtweite von 8 Metern. Bei Ankunft machte der Busfahrer mit dem coolen Schnauzer noch eine schnelle Infoveranstaltung über die Gefahren und dann gings ab in die freie Wildbahn.

Startpunkt der Wanderung

Startpunkt der Wanderung

Mein Outfit für das Crossing: gute Wanderschuhe, dünne beige Chino, T-shirt, Pulli und dünne Regenjacke.
Mit den Worten „Das Wandern ist des Müllers Lust“ machten wir uns dann auf den Weg. Nach kurzer Zeit begann dann der Nieselregen und die ersten negativen Kommentare. „Positiv bleiben, ist noch früh am Morgen und das zieht bestimmt gleich auf“ war das Motto. Und sieh an, das Nieseln hörte auf… zumindest für ein paar Minuten.
Da kamen wir zu dem Schild mit den 3 Fragen:
1. IST DAS WETTER IN ORDNUNG? „Naja, also es könnte noch schlimmer sein.“
2. SIND SIE GUT GENUG AUSGERÜSTET? „Chinohöschen wird schon gehen.“
3. SIND SIE WIRKLICH FIT GENUG? „Ach komm, für so ein bisschen wandern langts noch.“
Optimistisch also weiter die Fährte Frodos verfolgt und es dauerte nicht lange, da begann es schon leicht zu regnen. Dann kamen wir zu den sogenannten „Devil Stairs“ und die sind auch einfach höllisch lang und steil. „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“, denn genau hier begann es dann zu schütten. Wir uns die Stufen hochgequält, doch umso höher, umso mehr Wind. So kämpften wir gegen den Regensturm und den steilen Anstieg. Als wir oben angekommen waren und die Debatte eröffnet wurde, ob wir umkehren sollten, war es in beide Richtungen 3,5 Stunden und deshalb entschieden wir unseren Trip durchzuziehen, eine Entscheidung die wir später bereuen sollten. Oben schlossen wir uns einer Gruppe an und wir waren ca. 10 Leute, doch keiner von uns konnte erkennen wo der richtige Weg lang ging. Einer meinte jedoch, dass er wisse wolang es geht und übernahm die Führung. Er führte uns im Orkan über den 1m breiten Kamm des Berges, den wir nur in Schräglage passieren konnten, weil wir sonst runtergeweht worden wären. Und dann… SACKGASSE! Doch unser Truppenführer sah einen neuen „Weg“, einfach den Hang hoch und er voran.
„ROCK! ROCK! WATCH OUT!“ waren die Worte, die er runter schrie und ich sah nur wie ein Stein, in der Größe eines Fussballs, einen halben Meter an Julians Kopf vorbei flog. Hier war nun der Zeitpunkt gekommen, wo uns allen klar wurde, dass der Spaß definitiv vorbei ist und es wirklich gefährlich ist. Nicht ein Kleidungsstück war trocken, alle waren nur noch am zittern und jeder von uns hatte nur den Wunsch so schnell es geht von diesem verdammten Berg herunter zu kommen. Als ich schon mit dem Gedanken spielte „wann uns hier wohl jemand findet“, holte eine der Damen ihr Handy raus (R.I.P) und schaute auf einer runtergeladenen Karte nach dem Weg. Sie zeigte uns die Richtung, in welcher der normale Weg liegen sollte und sieh an wir kamen wieder auf die richtige Route. Jedoch waren wir halb erfroren und joggten eher, als dass wir gewandert sind. Wir liefen einfach, aber niemand von uns hatte Gefühl in den Beinen. Es gibt eine Hütte auf dem Weg nach unten, voller Hoffnung auf einen warmen Ort betraten wir den Rastplatz. Die Hütte war überhaupt nicht beheizt und es schien, als sei es in der Hütte noch kälter als draußen. Es war kaum möglich eine SmS zu schreiben, nicht wegen des Empfangs, sondern weil es nicht möglich war zu tippen mit den steif gefrorenen Fingern. Über unser Tempo auf dem restlichen Weg wäre Usain Bolt neidisch gewesen und so beendeten wir den Trip nach ca. 7 Stunden.

Ich sag es mal so, Frodos Weg zum Schicksalsberg war ein Kindergeburtstag gegen unseren Höllenweg. Als Last hatten wir gefühlt nicht den einen Ring der Macht, sondern hatten Sauron mit Ring am Finger Huckepack getragen. Der Spaß bei diesem Trip war auch nicht mehr bei 0, sondern definitiv bei -99 und dies war auch die gefühlte Temperatur auf unserem Weg.

bomben Aussicht beim Crossing

bomben Aussicht beim Crossing

Als Hinweis für alle Menschen, die diesen Trip jemals machen wollen, wenn dort oben auch nur ein Wölkchen am Himmel ist, dann lasst es einfach. Bei Nebel ist es nicht möglich auch nur eine der Attraktionen richtig zu erkennen, geschweige denn zu genießen. Noch dazu, eine beige Chino ist keine gute Wanderhose!

Das beste Gefühl – Taupo Skydive!

Mies gelaunt machten wir uns auf den Weg in das schöne Taupo, welches an dem riesigen gleichnamigen See liegt. Wenn man Glück hat bekommt.man ein unglaubliches Panorama zu sehen: Der See im Vordergrund und am Horizont die riesen Berge, welche durch die Sonne gut zur Geltung kommen.
Wir machten uns nach dem Einchecken erstmal auf den Weg zu den „Hot Pools“. Es war wie als läge man in einer heißen Badewanne, einfach die Entspannung pur nach so einem Horrorweg.
Am nächsten Tag beschlossen Julian und ich uns für das „Skydiven“ für den fogenden Tag anzumelden. Da man aber nie weiß wie das Wetter wird in Neuseeland, meinte der Rezeptionist, dass wir sofort den Skydive machen sollten und wir in 5 Minuten abgeholt werden würden. Also schnell feste Schuhe an und nochmal aufs Töpfchen und dann mit Kribbeln im Bauch ins Shuttle eingestiegen. Schnelle Anmeldung für den 15.000 Fuß Sprung und dann ging es auch schon zu den Vorbereitungen. Im roten Anzug, mit Sicherheitsgurten, einer Fliegermütze und einer Atemmaske stellten wir uns unseren Sprungpartnern vor und bekamen letzte Sicherheitshinweise.

Julian und ich vor dem Sprung

Julian und ich vor dem Sprung

Dann ab in den kleinen, gelben Flieger und los gings in die Luft. 20 Minuten genießt man eine unglaubliche Aussicht über das Gebiet Taupo und es ist sogar möglich, die Westküste und die Ostküste zu sehen.

unser gelber Flieger

unser gelber Flieger

Und es geht immer höher, immer höher, immer höher… über die Wolken und dann öffnet sich die Luke. Schwup der Erste, schwup der Zweite… Und dann der Blick aus der Luke nach unten! „OH SHIT!!!!“ dachte ich nur und lehnte mich nach vorne, als mir eine Hand auf die Schulter klopft und sagt „Exit Photo!! Exit photo“. Also ein letztes Bild mit einem Puls von 264 und dann in die Freiheit! Dieses Gefühl ist mit Worten unmöglich zu beschreiben! Ein Salto in der Luft und noch einmal das Flugzeug an einem vorbeifliegen sehen. Dann 60 Sekunden lang im freien Fall mit ca. 92342km/h auf den wunderschönen Lake Taupo zu fliegen und dabei gefühlt über ganz Neuseeland zu schauen!! Dann, wenn der Fallschirm aufgeht ist der Spaß noch lange nicht vorbei. Man realisiert erst die richtige Höhe und was gerade geschieht. Es ist ein Erlebnis, welches ich auf jeden Fall nicht vergessen werde und ich kann nur jedem empfehlen, sich so etwas zu gönnen. 🙂

Meine elegante Landung

Meine elegante Landung

Dies war der Abschluss unserer unglaublichen Tour und ich muss sagen, der Skydive zum Abschluss hat alles noch einmal gekrönt. Nun machten wir uns auf den Weg nach Napier, um dort eine Arbeit zu finden.

Das Fazit zum letzten Teil: Das schlimmste und beste Erlebnis direkt hintereinander! Das Tongariro Alpine Crossing bereitet mir immer noch Kopfschütteln! Der Skydive hingegen bringt mich immernoch zum Lächeln. 🙂


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