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Die Lords of Backpacking

Wir berichten im Blog auf Backpacker.Unterkunft.de von unserer Weltreise! Backpacker.Unterkunft.de

Markus (30, Wassermann)

Dipl. Betriebswirt und Schreiberling aus Regensburg

Lords of Backpacking Steckbrief: Markus

Selma (25, Wassermann)

Dipl. Psychologin und Reisende aus Kleve

Lords of Backpacking Steckbrief: Selma

Manu (31, Waage)

Gastronomisch in der Welt unterwegs

Lords of Backpacking Steckbrief: Manu

Der Heimattourist

Markus Obstmeier am 26. Januar 2014

Es war Anfang Januar, als ich wieder Deutschen Boden unter meinen Füßen und das so erfrischende Klima um mich herum spürte. In der Tat kann ziemlich schnell vergessen werden, wie ungeschmeidig das Wetter doch sein kann. Dabei konnte ich mich noch glücklich schätzen, dass es für den ersten Monat des Jahres ungewöhnlich mild war. Die vielen Monate Sonnenschein haben mich ganz offensichtlich leicht verweichlicht.

Die ersten Tage fühlten sich seltsam an. Das Flughafenpersonal und auch alle anderen Menschen um mich herum, sprachen plötzlich Deutsch. Für Ohren, die zwischenzeitlich fast ausschließlich auf Englisch eingestellt waren, eine durchaus paradoxe Situation. So war es nicht verwunderlich, dass ich unentwegt anfing, Sätze auf Englisch zu beginnen und mir im Anschluss zu denken: What the fuck!

Nach einer 45 Stunden langen Reise war ich also am Frankfurter Flughafen gelandet. Da ich noch nach Köln musste, verlor ich keine Zeit und machte ich mich sogleich auf den Weg zu meinem Zug, der unglaubliche 49,- Euro kostete. Für diesen Betrag bin ich mit AirAsia von Bali nach Australien geflogen. Nun gut, Akzeptanz ist eine Tugend und und eine Wahl gab es ohnehin nicht. Unterwegs zur Bahn war es unabdingbar noch eine Kleinigkeit zu kaufen. Etwas, dass ich als eines der wenigen Sachen arg vermisst hatte – ein trockenes Brezenstangl… und es war traumhaft. Brot und Bier ist einfach nirgendwo so gut wie hier!

Am Kölner Hauptbahnhof angekommen, checkte ich in einem Hostel mit dem grandiosen Namen “Weltempfänger” ein. Bald musste ich feststellen, dass mein einziges solides Schuhwerk selbst für einen Schuster eine Herausforderung geworden wäre. So lief ich mit meinen Flip Flops solange durch Köln-Ehrenfeld, bis ich einen Schuhladen gefunden hatte und investierte arg widerwillig in die Notwendigkeit. Schuhe zu tragen hat mir absolut nicht gefehlt. Meine Kamera war leider bereits in Australien über den Jordan gewandert, was äußerst schade war.  Die Blicke der Kölner, die zu dieser Jahreszeit einen Mann mit Flip Flops herum laufen sahen, waren Gold wert. Nach ein paar Tagen in Köln, ging es mit dem Fernbus nach Nürnberg und von dort mit dem Zug nach Regensburg.

Zu meiner kleinen Überraschung hat sich so gut wie gar nichts verändert. Immer noch mit dem Wetter kämpfend, eilte noch ein zweiter Klimaschock herbei. Menschen aus aller Welten Ländern hatten mich davor gewarnt und sie sollten Recht behalten. Die Rede ist vom klassischen, ernsten Deutschen Gesicht. Ja liebe Landsleute, wir haben es! Selbstverständlich fiel mir das bereits in Köln auf. Nicht das der Verdacht entsteht, es sei eine Regensburger Eigenheit. Ob irgendwo in Südost-Asien oder Australien, die Leute sind grundsätzlich in einer fröhlicheren Stimmung und Blickkontakte werden nur selten vermieden. Viele Gespräche mit Fremden entspringen aus spontanen Situationen und es wird einander viel zugelächelt.

Ich habe versucht und versuche es simmer noch, diese Mentalität nicht zu verlieren. Doch ist es wie Schwimmen gegen den Strom und ich, einer der Lachse. Vergleichsweise viele Passanten meiden den Blickkontakt und wenn er doch Zustande kommt, sie ein kleines Lächeln (nur ein Kleines, wir wollen es nicht gleich übertreiben) von mir empfangen, wissen die meisten nicht wirklich etwas damit anzufangen. Fragezeichen prangen auf den Gesichtern.

Na dann halt nicht! Doch gab es erfreulicherweise auch Ausnahme-Menschen, die ein freundliches Lächeln in Kombination mit Blickkontakt ertragen konnten. Gott sei Dank! In der zweiten expirementellen Phase habe ich das undenkbare gewagt. Tollkühn, ja wagemutig, wurden Konversationen mit bis dato unbekannten Männern und Frauen begonnen. Nicht ganz aus heiterem Himmel versteht sich, sondern wenn beispielsweise auf den gleichen Bus gewartet wurde oder wir offensichtlich nebeneinander das gleiche Wegstück zurück zu legen hatten. Was soll ich jetzt sagen… ich denke wir lassen der Fantasie freien Lauf oder ihr versucht es einfach selbst. Der Spaßfaktor ist jedenfalls hoch!

Alles in allem ist es sehr interessant Deutschland mit anderen Augen sehen zu dürfen. So manches was vorher unter dem Deckmantel einer ungewollten Selbstverständlichkeit begraben lag, wird jetzt über den Maßen geschätzt. Manch anderes hingegen, was zuvor einer erlernten Hinnahme unterlag, sticht nun plötzlich ins Auge wie Sonnenlicht am Morgen eines grauen Wintertages. Die ungeplante, vorzeitige Heimreise ist unbestritten wertvoll für mich und insbesondere für mein Buch. Der Vergleich zwischen den vielzähligen und so facettenreichen Kulturen, die ich im letzten Jahr entdecken durfte, wirkt jetzt intensiver denn je zuvor.

Ein Kreis hat sich geschlossen und mit ihm der erste Teil einer Geschichte von wilden Abenteuern, abenteuerlicher Wildnis, berauschender Freiheit, wertvollen Erkenntnissen, beeindruckenden Menschen und vielen guten als auch ein paar spärlichen schlechten Zeiten. Es ist jetzt an der Zeit ein Buch zu beenden, bevor es wieder heißt: “On the road again”

Wir lesen uns!


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