Bananen für die Elefanten

Markus Obstmeier am 13. Februar 2013

Der Besuch in dem „Elephant-Park“ in der Nähe von Mae Rim erhält das Prädikat: Durchaus prägend. Hier leben 54 Elephanten, davon zwei Jungtiere. Alleine die Ankunft sorgt für ein mulmiges Gefühl, wenn man die Unzahl an großen Touristenbussen erblickt. Im Park selbst laufen einige der Elefanten „frei“ herum. Gesteuert durch auf Ihnen sitzenden Thailändern mit Ihren 10 Zentimeter langen Elefanten-Haken oder durch kräftiges Anpacken und ziehen am Ohr. Damit Sie sich nicht zu schnell bewegen können, werden Ihnen Ketten umgelegt und an einem Ende um den Fuß gebunden. So hat das tonnenschwere Säugetier stets nur den gewünschten Bewegungsfreiraum.
Das angebotene Reitvergnügen für Touristen, besteht darin, dass Sie auf Bambusgestellen auf dem Rücken der Dickhäuter die vordefinierte Route entlang wandern können. Der daneben laufende Verantwortliche steuert das Tier mit dem Griff zum Ohr und seinem allzeit einsatzbereiten Haken in der anderen Hand. Dabei ist es kein Geheimnis, dass den Tieren die Akzeptanz für dieses Vergnügen erst einmal „eingebläut“ werden muss. Wie das stattfindet, wurde leider nicht erklärt.

Elefantenführer im Elephant-Park bei Mae Rim

Elefantenführer mit Haken

Futterstation im Elephant-Park bei Mae Rim

Futterstation

Die Gehege in denen die Elefanten Ihre freie Zeit verbringen können, sind mit etwa 20qm nicht gerade üppig. Insbesondere wenn Sie den spärlich gesäten Freiraum nicht einmal nutzen können, da Sie mit einer maximal ein Meter langen Kette an Pfeilern fixiert werden. Ein Schritt ist der maximale Bewegungsfreiraum der Tiere. Auf der Suche nach einem Freilauf wird man zwar fündig, wirkt aber in Relation auf die Anzahl der dort gehaltenen Tiere ebenfalls rasch sehr klein. Die Frage, ob es einen noch größeren Freilauf gibt, bleibt ungeklärt.

Im Elephant-Park bei Mae Rim

Elefant mit seinem „Vorgesetzten“

Nachwuchs im Elephant-Park bei Mae Rim

Nachwuchs im Elephant-Park bei Mae Rim


Reiter im Elephant-Park bei Mae Rim

Reiter mit seinem Haken

Angeketteter Elefant im Elephant-Park bei Mae Rim

Angekettet

Glücklicherweise sind die intelligenten, einfühlsamen und sanften Dickhäuter nicht von Langeweile geplagt. Sie haben die Möglichkeit eine Art Elefanten-Basketball zu spielen, können für die hiesige Galerie malen, hoch amüsierten Touristen Hüte auf den Kopf setzen, sie mit Ihren Rüsseln umarmen, weitere angelernte Tricks bei der Show präsentieren oder eben Ihrer natürlichen Lieblingsbeschäftigung nachgehen – Dem Backpacking von Touristen, von denen die Majorität die Attraktionen einfach nur toll findet. Zur Belohnung für Ihr liebenswert natürliches Verhalten, erhalten die beindruckenden Tiere schließlich noch ein paar Bananen und die Welt ist in Ordnung.

Touristen im Elephant-Park bei Mae Rim

Touristen auf dem Rücken

Karte des Elephant-Park bei Mae Rim

Karte des Elephant-Parks

Meinung? Nicht vorhanden…

Auf meine Frage an in Chiang Mai lebende Thailänder, mit welchen Augen Sie die Elefanten-Parks sehen, wurde mir klar, dass es Sie nicht im Geringsten beschäftigt, geschweige denn irgendeine Art von Meinungsbildung zu diesem Thema existiert. Keine verwunderliche Reaktion, wenn man mittelgroße Hunde in Vogelkäfigen und deren maximal vier Wochen jungen Welpen nebenan in der größeren Verkaufsbox sieht. Alternativ kann sich auch vor Augen geführt werden, dass hier zu Lande Katzen der Schwanz kupiert wird. Die Begründung für diese übliche Sitte, macht es leider nicht besser. Wie mir mitgeteilt wurde, glaubt der Thailänder, dass Perfektion keinen Platz im Himmel findet. Bananen bekommen Sie für das Ihnen zu Teil werdende Privileg keine.


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6 Kommentare zu “Bananen für die Elefanten”

  1. jakob schrieb am 14. Februar 2013 um 12:47 Uhr :

    Bin heut auf dem weg zum raften auch einem elefantencamp vorbei gekommen. Die Tiere sehen sehr unglücklich aus.ständig Drohgebärden.ganz im Gegensatz zu den touris.: ((((
    Just misstreatment

  2. jr schrieb am 15. Februar 2013 um 11:43 Uhr :

    vielen dank für den sehr informativen bericht, der leider nicht gerade der erbauung dient, so exotisch sich der rahmen auch ausnehmen mag.

  3. Bash23 schrieb am 2. März 2013 um 10:10 Uhr :

    ja so ist es halt. sozialität anderen menschen oder „auch Tieren gegenüber“, dass ist ein Luxus, den wir im Westen genießen dürfen/können. Da wo die Menschen krasser ums überleben kämpfen müssen als bei uns die Hartz IV-Spezialisten, da ist einem die Seele eines Tieres erstmal wurscht. Je mehr Geld das Tier einfährt, desto mehr achtet man dann auf das Tier in solchen („natürlicheren“), aber Elefanten und so sind halt keine einzigartigen Lebewesen für nen Zoo, sondern austauschbar. Wenn wir uns Gedanken um die Seele von Elefanten machen können, dann sollte uns gleichzeitig bewusst werden, wie gut es uns doch geht.

    Ist ja schließlich Maslow seine Bedürfnispyramide: man kann erst dann an andere Menschen/Lebewesen denken, wenn man selbst von den Grundbedürfnissen „abgesichert“ ist. Anscheinend sind die Grundbedürfnisse dieser Thailänder nicht gedeckt oder Maslow funktioniert bei denen nicht.

    Mich nimmt sowas auch immer mit wenn ich ähnliches in Indien sehe, aber da ich auch die andere Seite kenne, kann ich niemanden verurteilen (Kinderarbeit = ähnliches Thema)…

  4. Jakob schrieb am 4. März 2013 um 07:30 Uhr :

    Zum Thema Gedanken ueber die Seele von Tieren:
    Es gibt hier nur sehr sehr wenige Katzen ohne coupierten Schwanz. Die Thais machen das, weil sie glauben, dass perfekte Lebewesen nach dem Tod keine Erloesung finden. Also wird coupiert fuer ein Leben nach dem Tod. Das mit den Elefanten ist schlimm und ich kann mir gut vorstellen, dass das viele aus dem Grundbeduerfnis heraus machen zu ueberleben.

  5. Jakob schrieb am 4. März 2013 um 07:45 Uhr :

    Noch ein Zusatz:
    Wenn der Westen, vollgepumpt mit Grundbeduerfnissen, so viel Spass am reiten oder fuettern von Elefanten hat, was ist dann schlimmer: die Moeglichkeit einen Ausflug mit Elefanten anzubieten oder diese Moeglichkeit wahrzunehmen?

  6. Markus schrieb am 14. März 2013 um 04:57 Uhr :

    Schön, so hab ich mir das vorgestellt. Dieses Thema liefert so viel Diskussionsstoff, der ganze Abende füllen könnte. Natürlich ist es klar, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Aber dennoch ist es so und wert darüber zu berichten. Letztendlich hat sich jeder sein eigenes Bild zu schustern. Danke für die interessenanten Kommentare!

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