Auf der Kiwiplantage in Opotiki

Moritz am 16. Januar 2014
fruit

Erster Job in Opotiki

Zunächst hatten wir ein Jobangebot in Tauranga, doch als wir dort waren hat sich der Auftraggeber einfach nicht mehr gemeldet. Eine der 2 Nächte haben wir in Tauranga im „central backpackers“ verbracht und es sofort nach dem einchecken bereut. Das ganze Hostel war dreckig, das Bad ekelhaft und die Zimmer hatten nur ein Fenster in den Flur, welcher auch nachts beleuchtet war und somit von den Lichtverhältnissen her immer Tag war im Zimmer.

Ganz anders war das YHA in Tauranga, es war sehr gepflegt und hatte eine schöne Gartenanlage zu bieten.

Da sich der Arbeitgeber nicht gemeldet hatte, halfen uns ein par Freunde weiter und wir kamen so zu unserem Job in Opotiki. Auf unserem Weg von Tauranga nach Opotiki hatten wir 3 Stunden Aufenthalt in Rotorua.

Rotorua ist bekannt durch seine Schwefelquellen, welche in der ganzen Stadt zu sehen und besonders zu riechen sind. Ab dem Zeitpunkt als wir den Bus verlassen hatten, lag ein beissender Gestank in der Luft. Um einige Quellen kostenlos zu sehen machten wir uns auf den Weg in den Kuirau Park. Fasziniert hat mich jedoch, dass manche Menschen solche kleinen Pools in ihrem Garten haben und ich meine dieser üble „Dixiklogeruch“, der aus diesen Pools aufsteigt, ist also ihre tägliche Atemluft und völlig normal. In einer der Strassen entdeckten wir kurze Zeit später ein Loch im Asphalt und stellten fest, dass auch hier das schwefelhaltige Wasser heraus brodelte.

Nach unserem Zwischenaufenthalt und ein paar weiteren Stunden Busfahrt waren wir in Opotiki angekommen.

Strasse in Rotorua

Strasse in Rotorua

Hot pool in Rotorua

Hot pool in Rotorua

Die Stadt Opotiki

Opotiki ist eine Stadt voll mit Arbeitern und ist hauptsächlich für seine Kiwiplantagen bekannt. Für uns hatte die Stadt nicht wirklich viel zu bieten. Treff- und Sammelpunkt der Stadt ist die Bibliothek in Opotiki, aber jedoch nicht wegen den Büchern, sondern weil dort 4 Computer und Wlan frei zur Verfügung stehen. Deshalb strömen alle Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit zur Bibliothek und grölen dann mit den Kopfhörern in den Ohren so laut es geht einige Bruchteile des Liedes „Talk dirty“ von Jason Derulo.

Opotiki besitzt außerdem sehr schöne Strandbereiche, welche jedoch einen langen Fussmarsch vom Stadtzentrum entfernt sind.

Ebenfalls positiv an Opotiki ist die „wharf“, dort treffen sich die Leute zum Angeln und noch dazu ist dort eine Art kleiner Wasserspielplatz mit Plattform, Rutsche und Seilen zum rein schwingen.

Bei Nacht kann man Opotiki im Prinzip nicht erkunden, weil einige kleine Gangs ihr Unwesen treiben. Direkt bei unserer Ankunft wurde uns klar mitgeteilt, dass wir bei Nacht nicht aus dem Hotel gehen sollen.

Arbeiten auf Kiwi orchards

Wo fange ich hier nur an meine eigenen Erfahrungen zu berichten. Normal würde ich versuchen zunächst einige positive Aspekte zu bringen, doch mir fallen keine guten Argumente ein. Wir hatten nach unserer Ankunft direkt am nächsten Tag einen Job und wurden von unserem Contractor früh am Morgen abgeholt. Der Weg war max. 2 Kilometer zur Kiwiplantage und trotzdem wurden uns $6 dafür abgezogen. Kurz zusammengefasst: 7 Leute im Auto, $6 Spritgeld pro Person für insgesamt 4km Strecke, der Literpreis liegt bei um die $2, summa summarum haben wir für 4 Kilometer gerade so mal 21 Liter Benzin bezahlt und das würde ich doch mal als echtes Schnäppchen bezeichnen.

Auf den Plantagen haben wir jede Aufgabe erledigt damit die Kiwis perfekt wachsen können. 2 Aufgaben sind uns hierbei besonders in Erinnerung geblieben.

„Tip Squeezing“: Hierbei muss man einzelne Äste am wachsen hindern, damit die Pflanzen übersichtlich bleiben, nicht zu lange Äste entstehen und nicht zu viele nutzlose Äste vorhanden sind. Für diesen Job bekommt man eine Sprühflasche mit einer Chemikalienmischung und dazu einen Gummi- und einen Stoffhandschuh. Dann sprüht man sich die Finger mit der Mischung voll, solche Gummihandschuhe halten bestimmt bis zu einer Stunde die Flüssigkeit ab, aber nach 8 Stunden hat man trotzdem braun gefärbte Hände. Mit den nassen Handschuhen zerdrückt man dann immer feste die Spitze der Äste. Leider ist hierbei das Problem, dass das ganze Kiwigewächs so dicht bewachsen ist das man einfach nichts sieht. Noch dazu ist es strengstens verboten einen Ast abzubrechen, was aber daran scheitert, dass die Äste ewig hoch sind und man ja irgendwie an die Spitze kommen muss. Wenn es dann doch einmal knackt ist das Ziel den Ast möglichst schnell zu verstecken, denn wenn der Contractor die abgebrochenen Äste sieht, dann ist aber was los!

Um diesen Job zu erschweren musste ich feststellen, dass die Konstruktion der Kiwipflanzen nur max. 1,75m hoch sind und ich beinahe die 1,85m habe. Das bedeutet in den 8 Stunden Arbeit muss man unter den Pflanzen gebückt wie der Glöckner von Notredam durchgehen und dabei den Kopf in den Nacken pressen um nach Oben zu sehen. Das Ende vom Lied war dementsprechend der brutale Schmerz von Nacken, Rücken und Fingern.

Um die Motivation der Arbeiter zu steigern gibt es morgens erstmal einen Anschiss, dass alle am Vortag zu langsam waren.

Dabei bekommt man ununterbrochen die Sätze…

„Faster Faster!“

„use chemical, use chemical please“

„No talking, move and stop talking“

„no missing, no missing please!“

… zu hören. Im Klartext: Immer schneller arbeiten, immer weniger vergessen und dabei auf gar keinen Fall reden!

„Flower picking“: Am Morgen des Arbeitstages begann die Revolution der Arbeiterschicht und die Forderung war, dass wir nicht per Kilo bezahlt und somit ausgebeutet werden, sondern wie sonst auch den Stundenlohn erhalten. So versprachen Sie uns nach einer Diskussion: „Ja, ihr werdet per Stunde bezahlt“.

Beim „flower picking“ geht es darum, die falschen Blüten abzureissen und in seinen Sack zu packen. Das Proble an dieser Arbeit war nur, dass es zu wenige Blüten gab (dies sagten uns auch die Arbeiter, welche schon seit Jahren dort arbeiten). Da uns jedoch der Stundenlohn zugesichert wurde war mir das eigentlich egal… bis zum Tag der Abrechnung. Im Endeffekt erfuhren wir, dass wir doch per Kilo bezahlt wurden und somit habe ich in 8,5 Stunden gerade einmal $48 verdient, was einem Stundenlohn von 3€ und ein par Cent für einen anstrengenden Job entspricht.

Fazit: Die Revolution gescheitert und die erneute Ausbeutung der Arbeiterschicht.

Die anderen Arbeiten auf den Kiwiplantagen waren im Prinzip recht ähnlich: zäh, anstrengend, langweilig, nervig. Man wurde von den Aufsehern gescheucht und behandelt als sei man der dümmste Mensch der Welt. (Hierbei gab es natürlich auch Ausnahmen)

Das schlimmste an diesem Job war aber eigentlich, dass man jeden Morgen um halb 7 aufgestanden ist ohne zu wissen ob man arbeiten darf und wann man arbeiten darf. So war es häufig, dass wir keinen Job hatten und in der Woche so wenig verdient hatten, dass im Endeffekt nichts hängen geblieben ist. Als Tipp noch zum Schluss, man darf 4 Dinge nie vergessen wenn man zum Arbeiten fährt:

1. Sonnencreme – mehrere Stunden in der aggressiven Sonne kann ganz schön brennen.

2. Sonnenbrille – die meiste Zeit schaut man nur nach oben (man darf teilweise ohne Sonnenbrille nicht arbeiten)

3. Essen und Trinken – erklärt sich ja von selbst 😉

4. Ipod und Kopfhörer – Das Wichtigste! Der Job ist zäh, aber ohne Musik ist er nicht ertragbar!

Ich bei der Arbeit!

Ich bei der Arbeit!

Leben in Opotiki

Es gab Momente während unserer Arbeitszeit in denen wir doch jede menge Spaß hatten.

Dazu zählen Ausflüge an den Strand und vor allem die ein oder andere kleine Feier in unserem Hostel.

Nico und ich am Strand

Nico und ich am Strand

An einem Morgen fuhren wir zu unserem Arbeitsplatz, aber es hieß in den Nachrichten, dass es regnen sollte. Hierzu 2 Dinge:

1. Ich weiss nicht was die Menschen hier beim Wetterdienst machen, ob die einen Würfel haben mit Sonnenschein, Regen, Schnee… und jeden Tag die Vorhersage für Opotiki auswürfeln.

2. Bei Regen oder wenn es geregnet hat, dann darf man an den „Prinzessin-Kiwi-Pflanzen“ nicht arbeiten.

Jedenfalls hieß es, dass wir den Tag frei haben und anstatt Regen hatten wir strahlenden Sonnenschein. So verbrachten wir den Tag an der Wharf und spielten ein par Runden Flunkyball, angelten und entspannten uns im Wasser. Da unsere Angelkünste jedoch nicht ausreichend waren um genug Fische für ein Festmahl zu fangen, gingen wir in einen anderen Fluss wo wir Muscheln sammelten. Am Abend wurden wir dann bei unserer Chefin zum Essen eingeladen, wo es die gesammelten Muscheln und Bier gab.

An einem anderen Abend wurden wir zu einem BBQ bei einer neuseeländischen Familie eingeladen. Alle waren unglaublich gastfreundlich und es war das Normalste für die ganze Familie, dass wir mit ihnen feierten. Außerdem fanden alle Neuseeländer das Spiel Flunkyball weltklasse, für sie hieß es nur „german drinking game“. Da wir jedoch ein deutsches Team waren und Deutschland Championsleague Sieger im Bier trinken ist, war das Ergebnis, welches Team gewinnt, natürlich schon vorher klar 😀

Am Tag darauf haben wir dann eine kleine Schwimmreifen Tour gemacht. Hierzu sind wir den Fluss hoch gefahren und haben uns in die Reifen gesetzt, uns in der Strömung entspannt und nach unten treiben lassen. Kann ich wirklich nur empfehlen, sehr entspannend und dazu noch ganz lustig. 😉

Mein Fazit zum Thema Opotiki:

Die Kiwiplantagenarbeit ist ein sehr sehr undankbarer Job und kann durch die ständigen freien Tage auch sehr nervig sein. Für uns hat es sich kaum gelohnt aber trotzdem hatten wir einige gute Tage in Opotiki und viele lustige Erinnerungen 🙂


« »

Ein Kommentar zu “Auf der Kiwiplantage in Opotiki”

  1. Selma schrieb am 22. Januar 2014 um 08:02 Uhr :

    Haha, ja von der Kiwiplantagenarbeit kann ich auch ein Lied von singen 😀 Es gibt aber auch nette Plantagen und ich drücke dir die Daumen, dass du nächstes mal auf eine solche triffst!

Ein Kommentar hinterlassen:





Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.