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Die Lords of Backpacking

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10 days of silence

Selma am 25. September 2013

Vom 01.07-11.07 habe ich an einem Meditations Retreat in ‚Wat Suan Mokkh, International Dharma Hermitage‘, in der Nähe von Chayia in Thailand teilgenommen. Diese 10 Tage Vipassana Mediation werden komplett in Stille und Meditation verbracht.

Kurz was zum Tempel und zum Centre:
Wat Suan Mokkh ist ein Waldtempel der 1932 von Buddhadhasa Bikkhu im Sinne des Theravada Buddhism gegründet wurde.

Buddhadarsa Bikkhu

Buddhadasa Bikkhu


Suan Mokkh machte auf mich einen sehr entspannten Eindruck, ganz anders als andere Tempel die man in Thailand sieht, ist dieser nämlich nicht überladen mit Gold und Ornamenten, sondern sehr einfach und naturbelassen gehalten.
Wat Suan Mookh

Wat Suan Mokkh


Buddhadasa war es von anfang an wichtig, dass Wat Suan Mokkh alles frei und für jeden bereitstellt. Frei heisst, dass kein Geld verlangt wird und für jeden heisst, dass es sich weltweit orientiert und viele seiner Reden in Englisch übersetzt werden, sodass auch Ausländer diesen Tempel besuchen können. Seit 1985 gibt es 2 km entfernt von dem Haupttempel ein Meditations Zentrum, an dem einmal in Monat 10 Tage lang Vipassana Mediations-Retreats für Ausländer auf Englisch angeboten werden. Seit beinahe 30 Jahren schon kommen Menschen aus aller Welt hierher, um das Meditieren zu lernen, der Erleuchtung etwas näher zu kommen, oder einfach nur um die Stille zu geniessen.
Vipassana, oder ‚Insight‘ Mediation, ist eine Art der Mediation, in der man seine Konzentration in oder auf sich selbst richtet, anstatt zum Beispiel auf die Umgebung.
Die Konzentration wird vor allem dadurch trainiert, dass man sich auf das Atmen fokussiert.

Ganz anders als der Rest meiner Reisen, braucht dieser Part viel Energie, Disziplin und Commitment. Von allen Teilnehmern wird verlangt so zu leben, wie die Mönche und die Nonnen im Kloster. Demzufolge müssen wir auch die 8 Gebote einhalten, denen jeder Mönch unterliegt:
1. Nehme niemand anderem den Atem (kein Töten)
2. Nehme nichts, was dir nicht gegeben wurde (kein Stehlen)
3. Halte deinen Geist und deinen Körper frei von sexuellen Aktivitäten jeglicher Art
4. Verletze andere nicht durch deine Sprache
5. Verletzte nicht dein Bewusstsein mit Substanzen die deinen Geist vergiften und zur Unachtsamkeit führen (kein Alkohol, keine Drogen, kein Rauchen, etc.)
6. Esse nicht zwischen Nachmittag und Sonnenaufgang
7. Kein Tanzen, Singen, Spielen oder Musik hören, kein Fernsehen, schmücke dich nicht oder verschönere dich mit Kosmetik und Schmuck.
8. Schlafe oder sitze nicht auf luxoriösen Betten oder Sitzen.
(Ich habe versucht die Gebote hier so wortwörtlich wie möglich zu übersetzen)

Am 30.06.2013 machte ich mich also von Koh Phangan auf den Weg nach Wat Suan Mokkh. Am frühen Nachmittag kam ich am Mediationszentrum an, wo schon so einiges los war. Ich war eigentlich überrascht, wieviele Menschen aus allen möglichen Ländern da waren (es waren ungefähr 70, und wie ich am Ende erst feststellte, hauptsächlich Engländer). Gesprochen wurde noch viel, aber schon von anfang an saßen Jungs und Mädels auf verschiedenen Seiten in der grossen Halle.

The dining hall

The dining hall


Nachdem man ein Formblatt ausgefüllt und ein Interview mitgemacht hatte, konnte man seine Wertsachen (und alles was ablenkt, wie Bücher, Handys etc) abgeben und bekam einen Schlüssel für sein eigenes Zimmer im Dorm.
Der ‚Dorm‘ ist ein großes, offenes Gebäude mit einer offenen Rasenfläche und ein paar Bäumen in der Mitte, und den Zimmern drumherum.
der Dorm von außen

der Dorm von außen


der dorm von drinnen

der dorm von drinnen


Jeder bekam sein eigenes Zimmer bestehend nur aus einem steinernden Bett mit Bambusmatte und einem hölzernen Kissen. Ein Mosquitenetz und eine dünne Decke wurde glücklicherweise noch dazu gegeben.
Beinahe luxoriös, wenn ich auf meine restliche Zeit in Asien zurückblicke. Ich hatte mein eigenes Zimmer, ganze 6 m2 für mich alleine, ein grosses Bett und sogar ein Mosquitonetz!
mein bett für 10 Tage: Bambusmatte und Holzkissen auf Stein :-)

mein bett für 10 Tage: Bambusmatte und Holzkissen auf Stein 🙂

Geduscht wurde an großen runden Wasserbecken, von denen insgesamt 8 im Gebäude verteilt waren und mithilfe von Plastikbehältern, die man mit Wasser auffüllte und überm Kopf ausleerte. Da es allerdings verboten war, nackt zu sein, durfte nur im Sarong geduscht werden (also mit einem großen Tuch als Kleid um den Körper gewickelt).
Natürlich hatten Jungs und Mädels unterschiedliche Dorms, im gesamten Retreat bekamen wir die Jungs nicht so oft zu sehen, um unnötige Ablenkung zu vermeiden und sich aussschliesslich auf den Atem konzentrieren zu können. Demzufolge gab es auch so einige Regeln für die Damen: keine freien Schultern und lange, mindestens bis über die Knie reichende Hosen mussten getragen werden, um den Männern auch bloss keinen Raum für ihre Fantasie zu lassen.

Rules and regulations ;-p

Rules and regulations ;-p


Mit dem Läuten der grossen Glocke wurde ab 9 Uhr abends nicht mehr gesprochen. Jeder erhob sich in absolutem Schweigen von seinem Kissen in der Meditationshalle und begab sich Richtung Dorm. Man hatte ein bisschen das Gefühl auf einer Beerdigung zu sein, kein Reden und die meisten starrten auf den Boden und liefen sehr, sehr langsam. Ihre Gesichter drückten jeddoch Zufriedenheit gemischt mit Entschlossenheit aus, und nach ein paar Tagen auch mehr und mehr Ermutigung und Zugehörigkeit.
Wirklich schön war, dass schon nach einem Tag ein starkes Gruppengefühl aufkam. Man war hier nicht alleine! Ich war sehr froh, ein Teil dieser Gruppe und an diesem wunderschönen Ort zu sein. Jeder wurde akzeptiert, alle waren gleich, und da man aufgrund der fehlenden Sprache nicht wissen konnte, wer von woher kam, waren wir alle vom selben Land.

Alle ‚Aktiviäten‘ wurden mit dem Läuten einer grossen Glocke angekündigt. Uhren waren nicht notwendig! Morgens um 4 Uhr wurde die Glocke das erste Mal geläutet, dann hieß es aufstehen und zwar schnell, denn um 4.30 wurden die Tore vom Dorm geschlossen und man kam nicht mehr raus.

Zuerst ging es zur Meditationshalle, komplett in Mindfulness (= die Aufmerksamkeit ist komplett auf die gegenwärtige Situation gerichtet, den Moment absolut erfahren) natürlich. Schweigend suchte man sich sein Kissen in der Halle und setzte sich in der Position hin, die am wenigstens schmerzhaft war (nach tagelangem sitzen und knieen ist jede Position schmerzhaft).

Die Meditationshalle, so leer war sie während der Zeit nie, da es uns aber erst nach dem Retreat erlaubt war Fotos zu machen, gibt es leider nur Bilder ohne Menschen. Der Boden ist komplett mit Sand bedeckt und es gibt keine Wände.

Die Meditationshalle, so leer war sie während der Zeit nie, da es uns aber erst nach dem Retreat erlaubt war Fotos zu machen, gibt es leider nur Bilder ohne Menschen. Der Boden ist komplett mit Sand bedeckt und es gibt keine Wände.


Um 5.30 das erste Highlight des Tages (für mich!) Yoga! Naturlich noch komplett im Dunkeln, aber währenddessen ging die Sonne auf. Da sich das komplette Gebiet im Freien befand und auch die Hallen offen waren war dies natürlich jeden Morgen ein wundervoller Anblick.
Yogahalle neben dem großen Baum, meinem Arbeitsplatz

Yogahalle neben dem großen Baum, meinem Arbeitsplatz


Um 7 Uhr läutete dann wieder die Glocke, und es ging zum Dhamma Talk. Dhamma kann man übersetzen als Wahrheit der Natur, der Wirklichkeit. In der Regel wurde über Buddhismus und/oder Meditation geredet. Hier war es schwierig vollständig wach zu bleiben. Die noch sehr frühe Uhrzeit und das oft recht brüchige Englisch der Sprecher gaben einem in der Regel den Rest. Wenn ich es schaffte, den Reden zu folgen, war es aber immer sehr interessant und leerreich.
Das Rad des Lebens, dies wurde uns ausführlich in einer der Talks beschrieben

Das Rad des Lebens, dies wurde uns ausführlich in einer der Talks beschrieben


Danach wurde natürlich wieder zusammen meditiert im sitzen und um 8 Uhr ging es dann zum lang ersehntem Frühstück. Bereits 4 Stunden wach knurrte der Magen und verhindert jegliche Konzentration. Meditation und Hunger haben eben noch nie zusammengepasst! Das Frühstück bestand aus Reis-Porridge, natürlich brauner Reis mit Gemüse. Dazu gab es kleine Bananen oder Süsskartoffeln und Tee. Kaffe gab es nie… Von wegen den Geist vergiften und so. Irgendwie schaffte ich es trotzdem jeden Tag ohne das flüssige Gold, und mit etwas Hilfe von Kaffee-Lutschbonbons die ich illegalerweise in mein Zimmer geschmuggelt hatte, aber Psssst!

Nach dem Frühstuck Pause bis um 10 Uhr. Die meisten verrichteten in dieser Pause ihre ‚Chore‘, eine Aufgabe/Arbeit. Ich musste den Sand um den grossen Baum von Blättern und Ästen befreien. Eine schöne Aufgabe dachte ich 🙂 Allerdings wurde ich jedes Mal aufs neue damit konfrontiert, um die Millionen von Ameisen herumzufegen, die mich angriffen und Besen und Beine problemlos hochkrabbelten. Und ja, Ameisen können gut zubeissen hier, und es schmerzt! Ich, voller Loving Kindness, versuchte sie jedes mal sanft wegzuschnippsen, da wir hier NICHT töten! Immerhin schaffte ich es die Tötungsregel zu 99 % einzuhalten…

Mein Chore :)

Mein Chore 🙂

Nach den Chores verstieß ich dann gegen ein weiteres Gebot: Ich schrieb Gedanken und Ideen auf!
Bis zur Mittagspause um 12.30 gibts Dhamma talk und Meditation. Mittagessen ist das nächste Highlight des Tages, man kam nicht drum herum sich darauf zu freuen (auch wenn wir hier das im Hier und Jetzt leben ausgiebig praktizierten, und sich auf etwas Freuen verstieß eindeutig gegen diese Regel). Das Mittagessen war tatsächlich schon ZU gut! Brauner Reis mit 3 Beilagen, in der Regel wahnsinnig deliziöse Currys, Gemüse oder Nudeln. Natürlich komplett vegetarisch. Ein Nachtisch gab es dann auch jedes Mal.
Nach dem Mittagsessen war der Drang sich schlafen zu legen ziemlich groß… Schaffte ich es diesem Drang zu widerstehen, gab es genügend Hausarbeiten, waschen, putzen, aufräumen. Ich glaub ich war lange nicht mehr so sauber 😀
14:30 Dhamma talk… Diesmal von Tan Dhammavidu, dem britischen Mönch und unser aller Liebling. Nicht nur, dass er der einzige war, der sich einigermassen verständlich ausdrückte, nein er konnte einen auch wirklich in den Bann ziehen mit seinen zynischen Reden, Erzählungen aus seiner Vergangenheit, und manchmal sogar leichten Abschweifungen in delikatere Themen (was macht man, wenn einem die Lust überkommt? Einfach an tote, verrotte nackte Körper denken… Es gibt da wohl so japanische Seiten die mit Bildern nachhelfen..) Seine Tipps und Erläuterungen waren sehr praktisch und absolut logisch. Wenn er etwas erklärte, machte dies alles Sinn, und er war absolut ehrlich, zu uns und zu sich selbst. Auf jeden Fall ein Mensch, der sich gefunden hat… Oder auch nicht, wenn man der buddhistischen Lehre folgt.

Der See, ein Teil der wunderschönen und sehr naturbelassenen Anlage, und mein Lieblings Gehmeditations-Umrundungs-See :-)

Der See, ein Teil der wunderschönen und sehr naturbelassenen Anlage, und mein Lieblings Gehmeditations-Umrundungs-See 🙂

Ein Teil der Anlage und eine der Meditationshallen

Ein Teil der Anlage und eine der Meditationshallen


Danach: Gehmeditation, Sitzmeditation, Chanting und Loving Kindness. Chanting ist eine Art Sprechgebet, das halb gesungen wird, aber nicht melodisch oder ausschmückend. In Pali, einer altertümlichen Sprache, und jedes mal dieselben Texte. Trotzdem, die pure Möglichkeit seine Stimme zu benutzen war es schon wert! Außerdem hilft es der Konzentration. Danach gab es Loving Kindness Meditation! War mein Wunsch in den ersten vier Tagen, hier so schnell wie möglich zu fliehen, änderte sich dies ab Tag 5. Ein Franzose gab ab diesen Tag die Meditationsanleitungen, mit denen ich persönlich viel mehr anfangen konnte. Loving Kindness hilft einem letztendlich, mehr Empathie zu entwickeln für seine Mitmenschen und, ja genau, mehr Loving Kindness für alles in seiner Umgebung zu empfinden.
Nach Loving Kindness klingelte die Glocke… zum Tee! Kein Abendessen, ab dem Nachmittag wird ja nicht mehr gegessen 😉 Die Teezeit hat uns alle Milo (Schokoladenmilch) abhängig gemacht! Ausser an diesem einen Tag, an dem Sojamilch gereicht wurde und jeder von uns die Küche im stillen verfluchte, uns erst abhängig zu machen und dann zu foltern indem man sie uns vorenthält (jaja, kein craving und so….)

Nach dem Tee: heisse Quellen! Das dritte Highlight des Tages! Also Sarong um den Körper geschwunden, Schultern mit dem Handtuch bedeckt, und barfuss runtergelaufen bis zur heissen Quelle. Natürlich gab es jeweils eine für die Jungs und eine für die Mädchen! Die Quellen waren gross und tief genug zum schwimmen oder einfach nur relaxen und hatten die perfekte Temperatur! Ohne sie hätten meine Sitz- und Kniemuskeln das ganze im Schneidersitz sitzen wahrscheinlich nicht überlebt!

sehr schöne und natürlich gelassene hotsprings :)

sehr schöne und natürlich gelassene hotsprings 🙂


Um 7.30 geht es dann zum Endspurt des Tages: Meditation und danach Gruppengehmeditation. Dieses gab einem schon das Gefühl, Teil irgendeiner wahnsinnigen Sekte zu sein. Im Dunkeln wurde nämlich mit etwa 0,5km/h im Kreis gelaufen, zu etwas Kerzenlicht und in absoluter Stille. Im Kerzenlicht sah man die Schatten seiner Mitstreiter vor und hinter sich, in der Regel in Tücher eingewickelt um sich vor den Mücken zu schützen. Es war ein bisschen wie eine Opferzeremonie für die Mücken! Wir überlebten jedoch auch dies und konnten uns danach noch einmal in tiefster Konzentration auf unsere 4 Buchstaben setzen.
Um 9 Uhr dann: ab ins Bett! 7 Stunden Zeit, bis die Glocke wieder läutet!

Der erste Tag war für mich einer der einfachsten Tage. Schweigen, pas de probleme. 🙂 Sich auf seine Sinne konzentrieren, wunderbar! Das mache ich sowieso gerne. Meditieren: ja das wird hart… Aber es ist ja noch der erste Tag. Bald merke ich jedoch, dass das Meditieren mir zu schaffen machte. Man kommt nicht weiter, dabei möchte man doch so gerne. Es ist ein Teufelskreis! Erfolg hat man nur wenn man ihn nicht will, nicht zu sehr danach strebt! In Dhamma Sprache: sich nicht zu sehr daran bindet. Schwierig… Der Trick ist es, diesen schmalen Mittelweg zu finden, es schon irgendwo zu wollen, aber auch nicht unbedingt…
Noch ist eh alles interessant, neue Menschen, neue Umgebung, neues Wissen. Das Holzkissen nachts zum Schlafen, richtig gemütlich! Und die harte Bambusmatte tat meinem Rücken gut.

so in etwa fühlte ich mich auch...

so in etwa fühlte ich mich auch…

Am dritten Tage wurde dann doch der Mönch von mir konsultiert: Meditieren klappt nicht! Standartproblem: der Geist geht wandern und ich bin die ganze Zeit vieeel zu müde! Es war mir einfach nicht möglich, die Konzentration nur auf den Atem zu richten! Darum bekam ich ein Privatgespräch mit Tan Medhi, ein junger, thailändischer Mönch. Als Frau musste ich natürlich etwas Abstand zu ihm halten. Er gab mir den Tipp, lauter zu atmen, dann ist es leichter sich auf den Atem zu konzentrieren. Naja, das half dann auch ein bisschen. Im Gespräch realisierte ich, dass ich viel zu viele Attachments habe und mein Geist daher immer wieder weg wandert. Ich sollte also lernen, loszulassen!
Erst ein paar Tage später, nachdem ich ein Buch zu lesen bekam über Anapanasati, begriff ich die volle Praxis. Ich hatte so einiges falsch gemacht. Aber das änderte auch nicht viel, da die Basis immer noch war, sich auf den Atem zu konzentrieren, und das klappte halt nicht.
Mit der Zeit kam dann doch Verbesserung: ich ‚ließ los‘, ich entspannte mich mehr und zwang mich weniger zur Meditation. Ich kam ein paar Schritte voran und erreichte sogar ab und zu etwas, was ich als leichten meditativen Zustand bezeichnen würde.
Die Leute gingen lockerer miteinander um, es wurde mehr und mehr auf nonverbaler Ebene kommuniziert. Die Kleidung der Mädchen wurde immer luftiger! Da wurde auch mal eine enge Leggins getragen, oder ein tiefer ausgeschnittenes Top (also damit meine ich ein Top, dass nicht hochgeschnitten bis zum Hals war). Es war die ganze Zeit verdammt heiß, ich denke dies konnte man uns also ruhig verzeihen!

Die letzten drei Tage: Endspurt! Der Rücken, die Beine, alles schmerzt. Es wird knallhart weiter meditiert! Tag 8 lief sehr sehr gut bei mir. Ein paar leicht meditatieve Zustände erreicht, glücklich hier zu sein, äusserst mindful mit meiner Umgebung. Es wurde sehr, sehr viel gelächelt und wir motivierten uns auf unsere eigene Art gegenseitig. Mittlerweile hatte ich meine nonverbale Kommunikation perfektioniert.
Einige der Mädels fingan manchmal an zu tuscheln… Ich versuchte mich fernzuhalten. Wurde ich etwas gefragt, z.B. wie spät es ist, antwortete aber auch ich. Keine absolute Stille, aber absolut genug um den Geist zu fokussieren.
Tag 9 war der Tag der absoluten Stille. Keine Dhamma talks, dafür doppelt soviel Meditation! In der grossen, dreistündigen Pause, in der es keinen Zeitplan gab, aber wir draussen sein sollten, meditieren und uns nur mit uns selbst beschäftigen sollten, sah man dann einige Mädels und ein paar wenige Jungs mit Heften, oder in einer so komfortablen Position, dass klar war, dass sie schliefen. Ich tat natürlich nichts davon, meine Gedanken schweiften umso mehr ab. Die Gedanken einfach schweifen zu lassen kann so angenehm sein, wenn man dies bewusst tut!

Tag 10 war schwierig… Der Tag der vor Tag 11 kommt, also der letzte Tag. Freude kommt auf, morgen geht es zurück in die Zivilisation. Bei mir war es sehr gemischt. Eigentlich hab ich den Retreat wirklich sehr sehr genossen. Andererseits möchte ich auch wieder zurück ins richtige Leben. Auf jeden Fall war es mir unmöglich, an diesem Tag dem meditativen Zustand auch nur nahe zu kommen!
Interessant wurde es am Abend: Ein paar meiner Mitstreiter gingen nach vorne, und berichteten von ihren Erfahrungen und eventuellen Erkenntnissen.

Am 11 Tag läutete die Glocke zu unserem Unglück trotzdem schon um 4 Uhr. Es wurde eine Stunde meditiert, und dann hatte jeder etwas Zeit zum packen. Zwischen 6.30 und 7 Uhr trudelte jeder so langsam in die Dininghall ein, und wer sich in der Dininghall befand, durfte offiziell reden 🙂 Wenn man mochte!
Seltsam war es anfangs, so ungezwungen zu plaudern. Und man war natürlich neugierig, was die anderen zu erzählen hatten. Dementsprechend wurde viel geplappert. Es gab ein paar kleine Snacks und jede Menge Bücher über den Buddhismus, frei zur Verfügung gestellt. Ich sammelte soviel ein, wie ich gerade verkraften konnte, mit dem Gedanken, sie unterwegs anderen Reisenden frei zur Verfügung zu stellen.

Wir hatten noch die Möglichkeit, ein oder mehrere Nächte umsonst in dem Waldtempel zu schlafen. Und ganz ehrlich, ich war stark in Versuchung! Aber ich schloss mich dann doch meinen Mitstreitern an und wir fuhren in kleineren Gruppen und zu ganz unterschiedlichen Zeiten zurück nach Suratthani.

Dies waren meine 10 Tage Vipassana Meditation. Weniger hart als ich gedacht hatte, und für mich im Nachhinein defintiv eine Lebenserfahrung die ich nicht missen möchte!! Ich habe sehr, sehr viel aus dieser Zeit mitgenommen, vor allem Inspiration, Wissen und Energie. Und wer weiß, vielleicht geht es nächstes Jahr wieder nach Thailand zu 10 Tagen in absoluter Stille 🙂

Ist zwar nicht mehr im Retreat und der neben mir ist auch kein Leidensgenosse, aber so sieht die Position aus in der ich etwa 60% des Tages verbracht habe

Ist zwar nicht mehr im Retreat und der neben mir ist auch kein Leidensgenosse, aber so sieht die Position aus in der ich etwa 60% des Tages verbracht habe

Wer Interesse hat, hier ist die Website: http://www.suanmokkh-idh.org/


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4 Kommentare zu “10 days of silence”

  1. Daniel schrieb am 26. September 2013 um 10:26 Uhr :

    Respekt! Schon ne ziemlich einmalige Erfahrung.

  2. maria schrieb am 27. September 2013 um 09:39 Uhr :

    Ich schließe mich den Worten von Daniel an

  3. Petra schrieb am 27. September 2013 um 12:29 Uhr :

    Ein absolut toller Bericht: möchte so etwas auch schon länger mal machen ( habe es auch markus empfohlen ;-)), deshalb sehr interessant, zu erfahren, wie das denn eigentlich abläuft…schöne Bilder, man fühlt gleich die Ruhe
    Vielen Dank
    LG Petra

  4. Klaus schrieb am 2. August 2015 um 06:50 Uhr :

    Toller, informativer Bericht, der mir weiter geholfen hat. Vielen Dank!
    LG, Klaus

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